	Beitrüge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne.	61

oder sie endigen frei, und dann laufen sie bald fein aus, bald münden
sie in verschiedene Hohlräume ein. In der Krone gehen sie häufig in
die Schmelzräume über (Fig. 3); es lässt sich wenigstens die Contour
des Zahnröhrchens unmittelbar, ohne Unterbrechung, in die des
Sehmelzkanitlchens verfolgen. In dem übrigen Theile der Zahnsub-
stanz stehen sie aber theils mit den Interglobularräumen an der Grenze
zwischen Zahnsubstanz und. Cement in Verbindung (Fig. 5), oder sie
erstrecken sieh noch weiter in das Cement hinaus und treffen auf die
Ramificationen der Knochenkörperchen.
	Es ist offenbar zu weit gegangen, die freien Endigungen der Zahn-
röhrchen der Idee einer regelmässigen Circulation des Zahnsaftes zu
Liebe durchweg zu läugnen, und überall Anastomoseu zu sehen,
welche zur Durchführung dieser Idee in so ausgedehnter Weise nicht
einmal unumgänglich nothwendig sind. Wahr ist es allerdings, dass
die Anastomosen der Zahnröhrchen bis in die neueste Zeit zu wenig
berücksichtigt wurden. Schliesslich muss ich noch an das schon oben
erwähnte Verhalten der Röhrchen zu den grossen Interglobularräumen
erinnern, welche die Continuität derselben unterbrechen undinunmittel-
barer Verbindung mit ihnen stehen.
	Das Zahnbein wird also nach dem Mitgetheilten von einem fast in
allen Theilen zusammenhängenden Röhren- und Höhlensysteme durch-
zogen, welches ohne Zweifel zur Leitung des Ernährungssaftes und
nicht zur Aufbewahrung freier erdiger Bestandtheile bestimmt ist.
	Man hat die Vermuthung ausgesprochen, dass die Circulation der
Ernährungsflüssigkeit in diesem zusammenhängenden Gefässsysteme
ähnlich vor sich gehen möge, wie jene des Blutes in den Arterien, Ca-
pillaren und Venen. Betrachtet man jedoch die gegebenen Verhältnisse
näher, so muss man gestehen, dass durchaus keine Anhaltspunkte zur
strengen Durchführung einer solchen Annahme vorhanden sind. Es
dürfte namentlich schwer zu begreifen sein, durch welche Kräfte eine
regelmässige Fortbewegung und Stromrichtung der Flüssigkeit bedingt
werden solle. Man könnte zwar glauben, dass durch das rhythmische
Anschwellen der Pulpa während der Systole ihrer, arteriellen Gefässe
auch eine rhythmische Bewegung in der Flüssigkeit hervorgerufen
werden müsste; allein erstlich ist zu bedenken, dass der Unterschied
der Blutanfüllung während der Systole und Diastole in so kleinen
Arterien, wie in denen der Pulpa, kein erheblicher sein wird, und
zweitens sind durch die starren, dem Luftdruck widerstrebenden Wan-
dungen der Zahnröhrchen so eigenthümliehe physikalische Verhältnisse
gesetzt, dass man denselben erst volle Rechnung tragen müsste, bevor
man das rhythmische Anschwellen der Pulpa -als ein bewegendes
