64 	Beitrage zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zähne.

	Die äussere Oberfläche des Cements Ist nicht ganz glatt und eben.
Manchmal lässt sie, ähnlich wie die äussere Schmelzoberfläche, eine
regelmässig wulstige, mikroskopisch unterrecht aber wohl immer eine
körnige Beschaffenheit deutlich erkennen. -


D. Von den Nerve..
	Die Nerven, welche für die Zähne bestimmt sind, stammen bekannt-
lich aus dem Nervus lrigemnus und treten d.rch die kleinen Lochelchen
an der Wurzel der Zähne in die Keimhöhle ein, um sich in der Pulpa
zu verbreiten. Die Blutgefässe begleiten die Nerven in grosser Anzahl
und lösen sich an der Oberfläche der Pulpa in ein reiches Capillar-
netz auf.
	Um den Verlauf und die Anordnung der Nerven zu studiren, bricht
man die Keimhöhle vorsichtig auf und nimmt dann mit möglichster
Schonung, ohne gewaltsames Zerren, die ziemlich lose in der Keim-
höhle liegende Pulpa heraus.
	An einem frischen Präparate findet man die Gefässe gewöhnlich
sehr schön mit Blut injicirt und kann wegen der Menge derselben kaum
etwas von den Nerven unterscheiden. Es ist daher nothwendig, ein
Reagens anzuwenden, welches die Grunthabstanz der Pulpa durch-
sichtig und die Blutgefässe verschwinden macht, sowie das Blut entfärbt.
	Essigsäure taugt hierzu gar nichts, cdil nach ihrer Einwirkung
eine Menge Kernbildungen auftreten, welche auf der einen Seite soviel
schlecht machen, als auf der andern Seite durch die Essigsäure ver-
bessert wird. Als ein dem Zwecke entsprechendes, sehr vorzügliches
Mittel ist hingegen eine mehr oder weniger gesättigte Natronlösung zu
empfehlen. Dieses auf der Wilrzburger'Mikroskopie sehr häufig ange-
wendete Reagens hat die Eigenschaft, nickt nur die Grundsubstanz
der Pulpa vollkommen durchsichtig, sondern auch die bluterfüllten
Gefässe ganz und gar verschwinden zu machen, die Nerven 'hingegen
nicht alsogleich anzugreifen, obschon dies nach längerer Einwirkung
und bei stärkeren Concentrationsgraden endlich doch geschieht. Man
hat aber immerhin Zeit genug, die Ausbreitung der Nerven, welche
mit überraschender Klarheit hervortreten, hinreichend genau zu ver-
folgen und zu durchsuchen. Hätungsversuche mit Sublimat, wie ich
sie an anderen Orten mit gutem Erfolg häufigangewendet habe, führten
hier nicht zum Ziel, weil die Substanz der Pulpa sehr undurchsichtig
wurde und,• trotz aller angewendeten Mittel, blieb. Vorläufig ist das
Natron das beste Reagens, um die Nerv der Pulpa sichtbar zu
machen.
