• Beiträge zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zähne. 65

	Die Anordnung und das Verhalten der Nerven in der Pulpa ist
lange nicht so einfach, als man sich bisher vorgestellt hat. Was zu-
nächst die Anordnung betrifft, so treten die Primitivfasern, in viele
Bündelehen gesondert, in die Pulpa ein und verlaufen gerade gestreckt
von unten nach oben gegen die Spitze. Die Bündelchen sind von ver-
schiedner Stärke; manche unter ihnen enthalten bbs zwei bis drei
Fasern; auch einzelne Primitivfibrillen sieht man häufig in derRiehtung
der Bündel verlaufen.
	Im Allgemeinen sind die stärkeren Bündel mehr central, die
schwächeren mehr peripherisch angeordnet. Nicht selten findet zwi-
schen den einander näher gelegenen Bündeln ein Austausch der Fasern
statt, so dass dadurch eine Art von langmasehigem Plexus entsteht;
doch ist es für die Nerven der Pulpa charakteristisch, dass sie lange
Strecken ganz isolirt verlaufen.
Verfolgt man die Bündel weiter, so sieht man, dass sie sieh
schliesslich in ein wirres Nervengeflecht auflösen, welches ganz ober-
flächlich, in den äussersten peripherischen Schichten der Pulpa liegt
und an Mächtigkeit nach unten abnehmend bis über die Mitte der Pulpa
herabsteigt. Die Nervenfasern laufen da sehr unregelmässig, in
mannigfachen Biegungen durch einander.
	Die mehr peripheriseh gelegenen Bündel tragen hauptsächlich zur
Bildung des untern und mittleru Abschnittes der oberflächlichen Ner-
venverbreitung bei, die mehr central gelegenen zur Bildung des obern
Abschnittes.
	Dies wäre ein allgemeines Schema der Verbreitungsweise der
Nerven in der Pulpa, aus dem mau ersieht, dass die Nerven nicht
brevi manu an die Peripherie treten, sondern dass ihre eigentliche
Endverbreitung erst dann stattfindet, wenn sie an der Bildung eines
mehr oder weniger deutlich ausgesprochenen central gelegenen Plexus
Theil genommen haben. -
	Das Verhalten der Nerven innerhalb dieses allgemeinen Schema's
ihres Verlaufs ist folgendes. Die Primitivfibrilieu verjüngen sich nach
und nach und erscheinen, nachdem sie in das oberflächliche Netz ge-
treten sind, blass contourirt. Theilungen der Primitivfasern kommen
an verschiedenen Punkten vor. Ich habe wiederholte Theilungen der
Zahnnervenfasern nicht nur beim Menschen, sondern auch beim
Schwein, bei der Katze, dem Hunde und dem Kalbe beobachtet.
	Ueber die eigentliche peripherisehe Eudigung der Nervenfasern
kann ich nichts Genaues angeben; von der Existenz der so häufig
beschriebenen Endumbiegungsschlingen konnte ich mich nicht über-
zeugen. Wohl sah ich sehlingenförmige Umbiegungen der Nerven-
czermak, Schriften.	5
