	Beitrage zur mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne.	67

einhergehen, sehr leicht einem bedeutenden Drucke ausgesetzt werden
kann, welcher unter anderen Verhältnissen durch die Möglichkeit, dem
Drucke des Exsudats auszuweichen, vielleicht sehr gering sein wurde,
- und dann auf die Leichtigkeit des Zustandekommens von Erschult-
terungen in so starren, harten Körpern, wie die Zahnsubstanzen, und
die besondere Leitungsfähigkeit derselben für gewisse Reize. Als
Beispiel für den letztem Umstand führe ich das bekannte Factum an,
dass man zwischen den Zähnen die feinsten Sandkörnchen mit Leichtig-
keit bemerkt, während dieselben zwischen den Fingern kaum eine
erhebliche Empfindung verursachen können.
	Die Empfindlichkeit eines sensitiven Organs hängt wesentlich
allerdings nur von der absoluten Menge der sensitiven Nervenprimitiv-
fibrillen ab; allein es ergiebt sich aus dem Gesagten, dass die Structur
und Beschaffenheit des Organs in verschiedner Weise modificirend auf
diese Eigenschaft einwirken kann.
	Die Bestimmung der Zähne ist, als Werkzeuge zur Verkleinerung
der Speiseh zu dienen. Die reiche Ausstattung dieser mechanischen
Werkzeuge mit sensitiven Nerven lässt aber vermuthen, dass sie beim
Aete des Kauens noch eine andere Rolle spielen werden, und dies ist
auch wirklich der Fall. Die Zähne gehören nämlich mit zu den zahl-
reichen Organen des Tastsinnes (es sind gleichsam colossal entwickelte
Tastpapillen) und vermitteln verschiedene sinnliche Wahrnehmungen.
Sie haben deshalb auch - gleich den übrigen sensitiven Vorrichtungen
in der Mundhöhle - noch die Bestimmung, die Thätigkeit.der motori-
schen Apparate beim Kauen mit beherrschen und zweckdienlich regu-
lireu zu helfen. Der Act des Kauens ist ein sehr zusammengesetzter,
obschon der bios mechanische Theil desselben ganz einfach ist. Die
motorischen Vorrichtungen allein ohne die sensitiven Apparate der
Mundhöhle könnten keine zweckmässige Verkleinerung der Speisen zu
Stande bringen, und zwar schon darum, weil sie überhaupt gar nicht
in Thätigkeit gesetzt wurden, wenn wir nicht durch the sensitiven
Nerven belehrt würden, dass sich Speisen im Munde befinden. Es it
eben die Function der sensitiven Apparate, also auch der Zähne, uns
während des Kauens über die Lage und Beschaffenheit der Speisen in
Kenntniss zu setzen und zu erhalten, wodurch dann der Kraftaufwand
und die Art der Bewegung der Zunge, des Unterkiefers und der an-
deren hierher gehörigen beweglichen Theile bestimmt wird.
	Damit die Zähne als Tastwerkzeuge wirken und überhaupt Empfin-.
dungen vermitteln, müssen die Nerven der Pulpa gereizt werden. (Die
Nerven, welche ich im Zabnperiost gefunden habe, will ich vorläufig
gar nicht in Rechnung bringen, indem Versuche über die Empfindlich-
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