﻿Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracentèse d. Brust zu verhindern. 81
auf befestigten wir eine etwa 12 Zoll lange und 2 */2 Linien weite Röhre von Gutta-Percha, welche vorher ausgesucht und passend befunden worden war, luftdicht an das freie Ende der Caniile. In unserem Falle war die Gutta-Percha-Röhre gerade weit genug, um das Ende der Caniile ohne Schwierigkeit in sich aufzunehmen, und zugleich fest und luftdicht zu umschliessen. Nun wurde die elastische Röhre, welche durch ihre Befestigung eine unmittelbare Verlängerung des Troicarts darstellte, gerade gestreckt, etwas nach aufwärts gerichtet, und der Hahn geöffnet. Bei der schrägen Richtung des Instrumentes nach Oben trieb das kräftig hervorspringende Exsudat alle innerhalb der Röhre enthaltene atmosphärische Luft mit Leichtigkeit aus, und begann aus der freien Oeffnung abzufliessen. Sofort bogen wir die elastische Röhre auf dem Boden eines leeren Trinkglases, welches in einem anderen, grösseren, ebenfalls leeren Gefässe und tiefer als die paracentesirte Brusthälfte stand, langsam herab, und sorgten dafür, die Abflussöffnung auf dem Grunde des Glases zu erhalten. Durch das sich ansammelnde Exsudat, welches zusehends stieg, und endlich in das grössere Gefäss überlief, wurde die angebohrte Pleurahöhle vollkommen und sicher von der Atmosphäre abgesperrt. Der Eintritt der Luft in den sich entleerenden Raum war unmöglich. Das Exsudat floss ruhig und gleichmässig ab, und selbst gegen das Ende der Operation zeigten sich keine merklichen mit den Athmungsbewegungen synchro-nischen Niveauschwankungen im Glase. Bei sehr tiefen Inspirationen, welche wir den Patienten machen liessen. sahen wir jedoch die Flüssigkeit im Glase sehr deutlich fallen, bei heftigen, namentlich stoss-weisen Exspirationen ebenso deutlich wieder steigen. Diese Beobachtung ist von allgemeinerem Interesse und bestätigt meine Darstellung der Bedingungen des Lufteintrittes in die geöffnete Pleurahöhle. Nachdem wir uns überzeugt hatten, dass kein Exsudat mehr aus-fliesse, wurde der Hahn geschlossen, das Instrument entfernt, und der Verband mit den gewöhnlichen Vorsichtsmaassregeln angelegt. Es konnte nicht bezweifelt werden, dass gerade soviel Exsudat entleert worden war, als sich nach der der Lunge gebliebenen Ausdehnbarkeit, den räumlichen Verhältnissen des Thorax etc. für den Augenblick ohne Gewalt entleeren liess.
Vergegenwärtigt man sich die eigenthümlichen physikalischen Verhältnisse, welche die beschriebene Verrichtung setzt, so wird man bei einiger Bekanntschaft mit den Principien der Hydrodynamik ohne Schwierigkeit finden, dass durch dieselbe die Entleerung des Exsudates wesentlich begünstigt und erleichtert werde. Das Niveau der entleerten Flüssigkeit, unter welcher die Abflussöffnung der elastischen
Czermak, Schriften.	(J