78 Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracentese d. Brust zu 
verhindern.

Aufgabe zu lsen und den gestellten Anforderungen zu gengen, muss
die Erfahrung entscheiden.

2.
	Im 31. Bande dieser Zeitschrift habe ich ein Verfahren beim Brust-
stich angegeben, welches manche Vortheile versprach. Wenn ich gegen-
wrtig noch einmal auf diesen Gegenstand zurckkomme, so geschieht
dies theils, weil seither auf der Klinik des Herrn Prf HAMERNIK Zwei
Paracentesen mit dem von mir beschriebenen Troicart gemacht wurden,
deren Ergebniss den gehegten Erwartungen vollkommen entsprach,
theils, weil das Princip, nach welchem das Instrument gebaut ist, eine
allgemeinere Anwendung in der operativen Chirurgie gestattet. Im
Folgenden werde ich zunchst die bezglich jener Operationsmethode
gewonnenen Erfahrungen mittheilen und dann Einiges ber die Brauch-
barkeit biegsamer Rhren zur Entleerung von Flssigkeiten, die sich
an verschiedenen Orten im Krper ansammeln knnen und unter Um-
stnden einen operativen Eingriff nothwendig machen, anmerken.
	Die erste Paracentese wurde an Wedel Anton (66 Jahre alt,. Seiler-
meister in Prag) den 30. Juni 1851 ausgefhrt. Aus der Kranken-
geschichte hebe ich nur Folgendes hervor, wonach man den Zustand des
Patienten unmittelbar vor der Paracentese beurtheilen kann:
	Patient ist seit 8 Wochen bettlgerig; sein Krper abgemagert; die
unteren Extremitten hydropisch; die rechte Thoraxhutifte ganz unbeweglich,
der Percussionston schon am linken Sternairande kurz, ebenso rechts in der
obersten Bauchpartie bis in die Magengegend; Herzstoss zwischen der 6.
und 7. Rippe, etwa einen Zoll von der Achsellinie entfernt; Puls 76.
Dispno; Krpergewicht 115 Pfund. - Durch die Paracentese wurde das
in der rechten Thoraxhutifte befindliche Exsudat entleert. Es war eine albu-
menhaltige, gelblich gefrbte, klare Flssigkeit und wog 5 Pfund. Nach
vollendeter Operation ergab die physikalische Untersuchung, dass die Ver-
hltnisse des Thorax zum Normalen nahezu zurckgekehrt waren. Das
verdrngte Diaph.ragma war um 21/2 Zoll gestiegen; der Herzstoss zeigte
sich zwischen der 5. und 6. Rippe, und einen Zoll nher dem Sternairande;
das Athmen war sehr erleichtert; das Krpergewicht betrug 110 Pfund.
Den 18. Juli wurde Patient geheilt entlassen. - Die tglich wiederholten
Wgungen, welche auf der Klinik des Herrn Prof. HAMERMK mit aner-
kennenswerther Ausdauer bei fast allen Patienten vorgenommen werden,
zeigten, dass das Krpergewicht des Paracentesirten im frtwhrenden
Abnehmen begriffen war, und am 9. Juli nur 98 Pfund betrug, dann aber
wieder zuzunehmen begann.
