82 EinVerfahren, den Lufteintritt bei d. Paracentese d. Brust zu verhindern.

Ansatzröhre von Kautschuk oder Gutta-Percha sich befindet, steht
nämlich tiefer als die paracentesirte Brusthälfte; unter übrigens gleichen
Umständen hängt aber bekanntlich die in einer gegebenen Zeit ab
laufende Menge Flüssigkeit von der Grösse der Druckhöhe ab, d. h.
von der Grösse des verticalen Abstandes zwischen der Abflussöffnung
und der Oberfläche der zu entleerenden Flüssigkeit (vergl. J. MÜLLER'S
Lehrb. der Phys. und Meteorolog. 3. Aufl. Bd. I, S. 232): also muss
auch. caeteris paribus, durch die lange elastische Ansatzröhre, welche
tief unter den Einstich und dem höchsten Stande des Exsudates im
Thorax mündet, mehr Exsudat abfliessen, als durch die Mündung der
einfachen Canüle ohne Ansatzrohr, weil dieselbe in der Höhe der
Operationswunde steht; hierzu kommt noch, dass abgesehen von
diesem durch das Instrument gesetzten Verhältnisse alle anderen die
Entleerung des Exsudates bedingenden und begünstigenden Momente
nicht minder in Wirksamkeit treten.
	Uebrigens hat das Instrument alle Eigenschaften eines zwei-
schenkligen He b er s und könnte aus diesem Grunde Heber-Troicart
genannt werden. Die elastische Röhre entspricht dem längeren, die
Cantile dem kürzeren Schenkel; der Luftdruck, welcher auf die, in
beiden Schenkeln des Hebers eingeschlossene Flüssigkeit einwirkt,
und an der Heberwirkung nur den An the i 1 hat, die Entstehung
eines leeren Raumes in er Heberröhre zu verhüten, wirkt auch auf
beide Schenkel unseres Instrumentes - obschon auf der einen Seite
nicht unmittelbar. Das in der Pleurahöhle enthaltene Exsudat ist
nämlich einerseits von der Lunge, andererseits von der Thoraxwand
und. dem Zwerchfell begrenzt und eingeschlossen, es kann somit die
Luft nur durch die beweglichen Begrenzungen der Plcurahöhle hin-
durch, d. h. nur mittelbar auf das zu entleerende Exsudat drücken.
Wird die Canille in der Einstichsöffnung genau h or i z on tal gehalten
oder schräg nach aufwärts gerichtet, so fällt natürlich die volle
Uebereinstimmung mit dem zweisehenkligen Heber weg, obschon alle
Consequenzen aus dem torricellischen Theorem, wie oben gezeigt
wurde, nichts destoweniger auch unter diesen Umständen ihre Anwen-
dung finden, gerade so wie auf einen Heber, dessen kürzerer Schenkel
unendlich klein gedacht wird.
	Ich habe schon früher (a. a. 0. 5. 35) darauf hingewiesen, dass
hier verwickeltere Verhältnisse obwalten, als bei dem gewöhnlichen
Heber. Alle diese Verhältnisse muss man wohl berücksichtigen und in
Anschlag bringen; einige derselben stehen der Heberkraft des Instru-
mentes entgegen, oder halten ihr mehr oder weniger genau das Gleich-
gewicht, andere hingegen wirken in gleichem Sinne - unter allen
