﻿Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracentèse d. Brust zu verhindern. 71
die verschiedenen, mehr oder weniger entsprechenden Vorrichtungen den Eintritt der Luft zu verhindern, nicht zu übersehen, sondern vielmehr , falls es Noth thut, zu verbessern und möglichst zweckdienlich herzustellen. Im Nachfolgenden bringe ich eine neue Vorrichtung der Art, welche höchst einfach ist und mehrere Vortheile darbieten dürfte, in Vorschlag.
Vorher einige Bemerken über die älteren Methoden und über die Bedingungen des Eintrittes der Luft in die geöffnete Brusthöhle.
Bei unverletzten Thoraxwandungen und unter normalen Verhältnissen liegt die Lunge unmittelbar an der inneren Fläche der Brustwand und an der oberen Fläche des Zwerchfells an ; die Pleura costalis und pulmonalis sind in unmittelbarer Berührung und entfernen sich niemals von einander, sondern verschieben sich während der Atlimungs-bewegungen blos an einander. Der Luftdruck erhält die Lunge stets in einer der Capacität der Brusthöhle entsprechenden Ausdehnung. In dem Maasse, als sich der Thorax erweitert, wird die Lunge durch die eindringende Luft aufgebläht; in dem Maasse, als sich der Thorax verengert, collabirt die Lunge und treibt die Luft wieder aus. Das erstere, weil der leere Kaum, welcher zwischen den Pleuraplatten entstehen würde, bei unverletzten Thoraxwandungen nur auf dem Wege — nämlich durch die ausdehnbaren Lungen erfüllt werden kann ; das letztere weil die Lunge mechanisch comprimirt wird und zugleich der Aeusserung ihrer Elastieität und Contraetilität (?) nichts im Wege steht. — Wenn die Thoraxwandungen und der Pleurasack hingegen an irgend einer der Luft zugänglichen Stelle durchbohrt sind, so hat die Luft zwei Wege die Entstehung eines leeren Raumes in der Brusthöhle zu verhindern und muss beide benützen, weil der Druck ein allseitiger ist. Der eine Weg ist die nachgiebige, ausdehnbare Lunge, der andere eben die gesetzte Oeffnung — in unserem Falle die durch den Troicart hervorgebrachte Stichwunde. Je nachdem der eine oder der andere Weg bequemer ist und weniger Widerstand entgegensetzt, dringt die Luft auf dem einen oder dem anderen iii grösserer Menge ein. Die Entstehung eines Pneumothorax im Allgemeinen, mag er nun durch eine Verletzung der Lunge und der Pleura pulmonalis oder eine Durchbohrung der Brustwand in ihrer ganzen Dicke, veranlasst sein, erklärt sich somit aus dem Mechanismus des Athmens von selbst und beruht auf — dem horror vacui. Die Gefahr und Grösse des Lufteintrittes wächst mit der Grösse und Beschaffenheit der Verwundung, mit der Grösse der Athmungsbewegungen und mit der geringeren Ausdehnbarkeit der Lunge.
Im Beginne der Operation der Paracentèse, wo das in bedeuten-