﻿72 Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracentèse d. Brust zu verhindern.
der Menge angesammelte pleuritische Exsudat die Lunge comprimirt und die betreffende Thoraxliälfte über die Maassen ausdehnt, ist der Eintritt von Luft nicht zu befürchten, weil die Atlimungsbewegungen entweder noch ganz mangeln oder doch verschwindend klein sind. Demgemäss sieht man auch das zuerst ausfliessende Exsudat im Bogen aus der Bohre des Troiearfs hervorspritzen, und bemerkt kaum ein leises, mit den Atlimungsbewegungen des Kranken svnchronisclies An-und Abschwellen des Strahles, welches auf eine rhythmische Veränderung der das Exsudat hervortreibenden Druckkraft schliessen lässt. — Im weiteren Verlaufe nimmt jedoch die Gefahr in dem Maasse zu. als die Brusthöhle vom Exsudat entleert wird, als die Beweglichkeit des Brustkorbes zunimmt und die Lunge, in Folge der längeren oder kürzeren Compression, durch das Exsudat sich weniger rasch und genügend auszudehnen im Stande ist. Das anfänglich ganz gleich-mässig und im Bogen hervorspritzende Exsudat, beginnt nach und nach abwechselnd, bald stärker bald schwächer abzufliessen. Gegen das Ende der Operation, wenn die oben erörterten Bedingungen des Lufteintrittes gesetzt werden, ist dieses Ereigniss unausbleiblich — sobald keine Vorkehrungen getroffen sind. Man kann dann das blasende Geräusch der einströmenden Luft deutlich hören. Ueberdies sind zu dieser Zeit Hustenanfälle, wahrscheinlich hervorgerufen durch den entwöhnten, reizenden Contact der atmosphärischen Luft mit dem lange comprimirt gewesenen Lungengewebe, eine gewöhnliche Erscheinung und begünstigen natürlicher Weise die Entstehung eines Pneumothorax.
Die Luft kann während der Operation oder auch nach der Entfernung der Troicartröhre, durch die entstandene Wunde eindringen : man muss daher für einen gutschliessenden Verband (Collodium ? sorgen und bei der Entfernung des Troicarts darauf achten, dass sieh die Wundlippen augenblicklich schliessen, was am besten dadurch erreicht wird, wenn man die Haut beim Herausziehen der Bohre gegen dieselbe mit den Fingern der anderen Hand andrückt. Die Haut vor dem Einstich zu verschieben, damit sie sich hernach selbst über die innere Oeffnung herüberlege, scheint ganz passend zu sein, eben so die Anwendung eines platten Troicarts statt eines runden.
Während die Troicartröhre noch in der Wunde steckt, kann die Luft möglicher Weise auf zwei verschiedenen Wegen eindringen, nämlich entweder durch die Bohre oder zwischen der Bohre und den Wundlippen. Das letztere darf für gewöhnlich wohl nicht befürchtet werden, ist jedoch unter Umständen — namentlich wenn die Bohre unwegsam wäre und heftige Bespirationsbewegungen eintreten