86 Ein Verfahren, den Lufteintritt bei d. Paracentese d. Brust zu 
verhindern.

öffnung von dem höchsten Stande der zu entleerenden Flüssigkeit grösser
ausfällt; man leitet die Röhre auf dem kürzesten Wege, über den
Bettrand, in das auffangende Gefäss, welches auf dem Boden oder auf
einem Schemel steht und gross genug ist, um die ganze Flüssigkeits-
menge zu fassen, - womit zugleich das lästige Wechseln der Ge-
fässe beseitigt ist.
	Die Weite des Lumens ist gleichfalls von Bedeutung, denn es
macht sich der schädliche Einfluss der Adhäsion der Flüssigkeit an den
Röhrenwandungen um so mehr geltend, je geringer der innere Durch-
messer der Röhre ist. - In ähnlicher Weise, wie in den angeführten
Beispielen, kann man auch am Katheter elastische Ansatzröhren
zur Beförderung der Entleerung des Urins u. s. w. anbringen, wenn es
nothwendig erscheinen sollte.
	Die Magenpumpe, welche A. HrnGINsoN im »Lancet«, Febr.
1847, p. 240, beschrieben hat, gehört auch hierher. Die Elasticität
und Biegsamkeit der vuleanisirten Kautschukröhren sind auf sehr
sinnreiche Weise verwerthet. HIGGINs0N's Magenpumpe hat keine
fixen Klappen und könnte ebenso gut Magen-Heber heissen, denn sie
entleert den Mageninhalt nach dem Gesetze des zweischenkligen
Hebers.
	Die künstliche Entfernung einer Flüssigkeit aus einem gegebenen
Raume kann, da es sich um einen rein physikalischen Vorgang handelt,
auf ganz exacte Weise geschehen. Die durch die Lehren der Physik
gebotenen Hilfsmittel können und sollen hier eben so gut als ander-
wärts benützt und ausgebeutet werden. Es wäre wahrlich der Mühe
werth, die Operationslehre in ihrem ganz en Umfange in dieser
Richtung zu revidiren und zu bearbeiten. Die physikalische Diagnostik
hat in ihrer Sphäre das geleistet, was von einer auf physikalische
Grundsätze basirten und aus exacten Principien streng logisch ent-
wickelten Operationslehre in der Chirurgie zu erwarten steht.
	Die voranstehenden Zeilen enthalten einen kleinen Beitrag zur
Lösung dieser Aufgabe.
