﻿VII.
Ueber das Orthoskop,
eine neue Methode zur genaueren Untersuchung des gesunden und
kranken Auges.
[»Prag. Vierteljahr sehr.« 4851. Bd. .XXXII. S. 455 — und 4855. Bd. XXXVIII S. 457.]
1.
Fällt ein Lichtstrahl an irgend einem Punkte der Trennungsfläche zweier Medien von verschiedener lichtbrechender Kraft senkrecht auf, so geht er ungebrochen aus dem einen in das andere über; bildet hingegen die Einfallsrichtung des Lichtstrahls einen Winkel mit dem im Einfallspunkte auf der Trennungsfläche errichteten Lothe, so wird der Strahl gebrochen, d. h. er erfährt vom Einfallspunkte an eine Ablenkung von seiner ursprünglichen Richtung. Der Winkel, welchen der abgelenkte Strahl mit der Verlängerung des Lothes bildet, heisst der Brechungswinkel, oder nach Anderen der gebrochene Winkel. Die Erfahrung lehrt, dass der Brechungswinkel grösser oder kleiner sein kann als der Einfallswinkel, dass aber das Verhältniss zwischen dem Sinus beider für zwei bestimmte Medien stets constant bleibe. Im Allgemeinen ist der Brechungswinkel dann kleiner als der Einfallswinkel, wenn der Lichtstrahl aus einem dünneren in ein dichteres Medium kommt : im umgekehrten Falle ist er grösser als der letztere. Man drückt dieses Gesetz auch so aus : Der Lichtstrahl wird zum oder vom Einfallslothe gebrochen, je nachdem er aus einem dünneren in ein dichteres oder aus einem dichteren in ein dünneres Medium gelangt. Da das Verhältniss zwischen dein Sinus des Brechungswinkels und dem Sinus des Einfallswinkels, welches das Brechungsverhältniss oder der Brechungsexponent heisst, für zwei bestimmte Medien constant ist, so ergibt sich, dass es bei der Brechung zum Lothe einen grössten Brechungswinkel gibt, welcher immer weniger als 90° betragen muss :