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Ueber das Orthoskop
bei der Brechung v o m Lothe hingegen einen grössten Einfallswinkel, welcher ebenfalls stets kleiner als ein rechter sein muss, wenn der Lichtstrahl noch in das zweite weniger dichte Medium gelangen soll. Wird bei der Brechung vom Lothe der durch den Exponenten bestimmte grösste Einfallswinkel überschritten, so erfolgt an der Trennungsfläche statt einer Brechung eine totale Lellexion des Lichtstrahls, welcher dann in das dünnere Medium gar nicht hineinkommen kann. Die dioptrischen Gesetze schlagen hier in die katoptrischen um. 'Die unmittelbare, für unsere räumlichen Gesichfswahrnehmungen wichtige Folge der Ablenkung der Lichtstrahlen von ihrer ursprünglichen Richtung ist die Verrückung oder Verschiebung der Bilder, welche sie von ihren Gegenständen hervorzubringen im Stande sind. Wenn wir z. B. in schräger Richtung ins Wasser sehen, so müssen die am Grunde liegenden Gegenstände auf anderen Punkten unserer Retina ihre Bildchen entwerfen, als wenn — bei unveränderter Stellung und Lage des Auges — das Wasser abgelassen würde, und erscheinen uns deshalb je nach der verschiedenen Ablenkung der Lichtstrahlen an anderen Orten im Raume1 '.
Ich erinnere hier an ein bekanntes, leicht zu wiederholendes Experiment, welches zugleich sehr instructiv ist. Man nehme ein leeres Gefäss, lege auf den Boden desselben ein Geldstück und stelle sich so, dass der freie Rand des Gefässes die Münze vollständig verdeckt. Nun lasse man nacli und nach Wasser einfüllen — doch langsam, damit das Geldstück nicht von seinem Platze fortgeschwemmt werde. In dem Maasse, als das Niveau des Wassers steigt, rückt dann, ohne dass der Beobachter seine Stellung im Geringsten ändert, das Geldstück Uber den es verdeckenden Rand hervor, und man bemerkt zugleich, dass sich der ganze Boden des Gefässes scheinbar verschiebt und erhebt. Die Erklärung dieser Erscheinung folgt aus dem vorigen mit Leichtigkeit, und es ist überdies möglich, durch Anwendung der oben erörterten Gesetze der Brechung die allgemeinen Bedingungen für die Beschaffenheit und Grösse der Ablenkung solcher Bilder a priori festzustellen. Die Grösse, die Lage und der Ort der Bilder, welche von Gegenständen herrühren, die sich unter Wasser oder sonst einem stärker brechenden Medium als Luft befinden, hängen überhaupt ab : 1. von der Lage und der räumlichen Beziehung der Gegenstände zu dem Beobachter; 2. von
1 Diese Erfahrung über die scheinbare Ortsveränderung der Gegenstände kann Jene, welche sich aus Mangel an Hebung in Sachen der Speculation nicht gleich auf den subjectiven Standpunkt erheben können, auf den richtigen Weg des Nachdenkens und zum Verständniss der subjectiven Natur unserer sinnlichen Wahrnehmungen bringen. Doch dies nur beiläufig.