VII;

Ueber das Orthoskop,
eine neue Methode zur genaueren Untersuchung des gesunden und
kranken Auges.





[»Prag. Vierteljahrschr.« 185/. Bd. XXXII. S. 154 - und 1853. Bd. X»XX VIII. 
S. 137.]








	Fallt ein Lichtstrahl an irgend einem Punkte der Trennungsflache
zweier Medien von verschiedener lichtbrechender Kraft senkrecht auf,
so geht er ungebrochen aus dem einen in das andere über; bildet
hingegen die Einfallsrichtung des Lichtstrahls einen Winkel mit dem
im Einfallspunkte auf der Trennungsfläche errichteten Lothe, so wird
der Strahl gebrochen, d. h. er erfährt vom Einfallspunkte an eine
Ablenkung von seiner ursprünglichen Richtung. Der Winkel, welchen
der abgelenkte Strahl mit der Verlängerung des Lothes bildet, heisst
der Brechungswinkel, oder nach Anderen der gebrochene Winkel. Die
Erfahrung lehrt, dass der Brechungswinkel grosser oder kleiner sein
kann als der Einfallswinkel, dass aber das Verhältniss zwischen dem
Sinus beider für zwei bestimmte Medien stets constant bleibe. Im
Allgemeinen ist der Brechungswinkel dann kleiner als der Einfalls-
winkel, wenn der Lichtstrahl aus einem dünneren in ein dichteres
Medium kommt: im umgekehrten Falle ist er grosser als der letztere.
Man drückt dieses Gesetz auch so aus: Der Lichtstrahl wird zum oder
vom Einfallslothe gebrochen, je nachdem er aus einem dünneren in
ein dichteres oder aus einem dichteren in ein dünneres Medium gelangt.
Da das Verhältniss zwischen dem Sinus des Brechungswinkels und dem
Sinus des Einfallswinkels, welches das Brechungsverhältniss oder der
Brechungsexponent heisst, für zwei bestimmte Medien constant ist,
so ergibt sich, dass es bei der Brechung zum Lothe einen grössten
Brechungswinkel gibt, welcher immer weniger als 900 betragen muss;
