	iJeber das Orthoskop.	'	97

keit absehen, so wurden wir dem Apparat die Wirkung zuschreiben
müssen, die Lichtstrahlen in ungebrochener gerader Richtung aus dem
Auge heraus zu leiten, und richtige räumliche Anschauungen von den
inneren Theilen des Auges hervorzubringen. Ein Instrument von
diesen Eigenschaften könnte dannein Orthoskop (von ito' gerade,
recht und rxon' betrachten, sehen) genannt werden. Ich verkenne
nicht, dass durch diese Bezeichnung etwas zu viel von meinem Appa-
rate ausgesagt wird, allein bei einigem gutem Willen lässt sie sich
schon plausibel machen.

2.
	Die physikalischen Bedingungen, unter welchen die inneren
Theile des lebenden Auges der Untersuchung zugänglich gemacht
werden können, sind durch die Arbeiten von BRUECKE I) und. HELM-
HOLTZ 2) genügend erörtert und durch den Augenspiegel des Letzteren
auf sinnreiche Weise realisirt worden. RUETE 3) hat neuerdings ver-
schiedene, theils von ihm selbst, theils von Anderen erfundene Vorrich-
tungen zu demselben Zwecke beschrieben. - Jeder der bisher bekannt
gewordenen Augenspiegel hat seine besonderen Vor- und Nachtheile,
welche sich leicht bei der vergleichenden, praktischen Anwendung
herausstellen und zu einer fortgesetzten Verfolgung des mit so viel
Glück betretenen Weges auffordern.
	Will man die inneren Theile, namentlich den Grund des lebenden
Auges untersuchen, so hat man zunächst für eine passende Beleuch-
tung zu sorgen und das aus dem Inneren des Auges herausrefleetirte
Lieht in das Auge des Beobachters zu leiten. Sodann muss man eine
optische Vorrichtung anbringen, welche die Vereinigung der refiectirten
Lichtstrahlen zu einem deutlichen Bilde im Auge des Beobachters mög-
lich macht. - Der Theil des durch die Cornea in ein Auge geworfenen
Lichtes, welcher vom Grunde refleetirt wird, kehrt, wenn das Auge
für die Lichtquelle aceommodirt ist, bis auf ein Minimum unregel-
mässig zerstreuter Strahlen, zu derselben zurück. In das Auge
des Beobachters kann somit nur dann eine erhebliche Menge dieses
relleetirten Lichtes gelangen und zur Erzeugung eines Bildes benützt
werden, wenn das beleuchtete Auge nicht genau für die Entfernung
der Lichtquelle accommodirt ist, und das beobachtende Auge in oder
unmittelbar an der Lichtquelle sich befindet; oder wenn das refiectirte
Strahlenbündel durch künstliche Vorrichtungen (z. B. unbelegte Spie-

Mull. Arch. 1845. S. 387 und Mliii. Arch. 1847. S. 225.
Beschreibung eines Augenspiegels . . etc. Berlin 1851.
3 Der Augenspiegel und das Optometer fir praktische Aerzte. Glittingen 1852.
Czermak, Schriften.	fl	7
