﻿96
Ueber das Orthoskop.
des Operirten liât die Krystallinse, jenes des unter Wasser befindlichén Individuums die Cornea sannnt dem Humor aqueits verloren. Es ist berechnet, dass der gemeinschaftliche Halbmesser einer für das deutliche Sehen im Wasser bestimmten biconvexen Glaslinse, deren Substanz 1,55 lichtbrechende Kraft besitzt, etwa 4,6 Linien betragen müsse. — Die- oben aufgeworfene Frage muss demnach folgender-maassen beantwortet werden : Ein deutliches Sehen unter Wasser ist für unser Auge physikalisch unmöglich, nichts desto weniger entstehen aber zerstreute Bilder der Gegenstände auf der Retina, welche für die ergänzende Imagination des Sinnes hinreichen, unvollkommene Gesichtswahrnehmungen zu vermitteln.
Alles, was eben gesagt wurde, gilt im Allgemeinen auch vom Sehen durch unseren Apparat, nur muss man mit in Rechnung bringen, dass die hier gesehenen Gegenstände nicht wie dort ebenfalls mit unter Wasser sind. Die aus der Luft durch den Apparat zum Auge gelangenden Lichtstrahlen erleiden durch die Glaswand und das vorgeschlagene Wasser, ehe sie die Cornea erreichen, eine zweifache Breclnmg. Diese zweifache Brechung erleiden auch die aus dem Apparat herauskommenden Strahlen; wenn der Beobachter daher durch eine der beiden Glaswände in den Apparat hineinsieht, so erscheint ihm das ganze Auge mehr oder weniger aus seiner natürlichen Lage verschoben, ohne jedoch hiedurch in seinen Einzelheiten wesentlich verändert zu sein, da die Glaswand parallele Begrenzungsflächen besitzt. Uebrigens kann man auch von oben lier, wo der Apparat offen ist, beobachten; die Strahlen werden da nur einmal und zwar an der Oberfläche des vorgeschlagenen Wassers gebrochen. — Schliesslich erlaube ich mir noch für meinen Apparat einen Kamen in Vorschlag zu bringen, weil ich hoffe, dass derselbe nicht gleich in die akologische Rumpelkammer geworfen werden wird. Es ist schwer, das was der Apparat eigentlich leistet, in den engen Raum eines Wortes zusammen zu drängen. Doch glaube ich eine Bezeichnung gefunden zu haben, welche, wenn auch nicht ganz richtig, immerhin genügend sein dürfte. Im Grunde kommt es auf das gewählte Wort nicht viel an, wenn es einmal durch den Sprachgebrauch sanctionirt ist. Die Haupteigenschaft des Apparats, er mag wie immer modifient werden, oder das, was er obj ectiv bewirkt, ist, dass er die Brechung der aus dem Auge reflec-tirten Lichtstrahlen an der Oberfläche der Cornea bedeutend verringert. Die Lichtstrahlen behalten also bei Anwendung des Apparates ihre geradlinige Richtung ziemlich bei, und erzeugen dann Bilder, welche den objectiven Verhältnissen fast vollkommen genau entsprechen. Wollen wir auch von der noch übrig bleibenden geringen Ungenauig-