90 	Ueber das Orthoskop.

Augen nicht im Stande, von der Seite her durch die vordere Augen-
kammer hindurchzusehen, und entdecken nur eine Andeutung von dem
durch anatomische Untersuchungen bekannten Zwischenraum zwischen
der Cornea und der Iris. Es geschieht hier im Wesentlichen dasselbe,
was in dem oben eitirten Versuch mit dem Gefsse zu beobachten war:
so wie sich dort der Boden mit dem Geldstcke erhob, und nach der
einen Seite hin verrckte, ganz eben so wird hier die Iris hervorgewlbt
und verschoben. Die einzige Verschiedenheit liegt in der Gestalt der
Trennungsflche der Medien; dort trennt der ebene Wasserspiegel, hier
die gekrmmte Oberflche der Cornea.
	Dass wir dem zu Folge von den physiologischen und pathologischen
Vernderungen, hinsichtlich der rumlichen Verhltnisse, welche an
den sichtbaren inneren Theilen des Auges vorgehen, theils gar nichts
wahrnehmen, theils falsche Ansichten bekommen mssen, ist so wohl
eben so einleuchtend, als es bei der Wichtigkeit des Gegenstandes
wnschenswerth ist, die Ursache der Unvollkominenheit dieser Unter-
suchungen mglichst zu entfernen.
	Durch grosse Uebung und genaue Kenntniss der Anatomie des
Auges kann man es zwar dahin bringen, auch aus den verschobenen
Bildern manchen richtigen Schluss zu ziehen, allein dies hindert nicht,
eine bessere Untersuchungsmethode, welche correctere Data liefert, zu
suchen. Um zum Ziele zu gelangen, ist es unumgnglich nothwendig,
die obj ectiven Verhltnisse, in welchen sich das beobachtete Auge
befindet, so weit als mglich zweckmssig zu ndern, weil die gengte
Unvollkommenheit der Bilder eben objective Ursachen hat. Wir haben
die Ablenkung der Lichtstrahlen von ihrem geradlinigen Wege wh-
rend des Durchtrittes durch die verschiedenen Medien als die Fehler-
quelle erkannt, und mssen daher gerade diese Ablenkung, so weit es
thunlich ist, zu verhindern trachten. Die grsste Ablenkung, welche
alle das Auge verlassenden Lichtstrahlen erfahren, sie mgen aus
welcher Tiefe immer kommen, findet an der usseren Oberflche der
Cornea statt, weil diese das Auge gegen die Aussenwelt begrenzt, und
das Licht weit strker als die Luft zu brechen vermag. Die Brechungen,
welche die reflectirten Lichtstrahlen innerhalb des Auges, ehe sie an
die Cornea gelingen, erleiden, sind im Allgemeinen schon deshalb von
geringerer Bedeutung, weil die in der Tiefe des Auges befindlichen
Theile fr eine Profilansicht, um welche es sich uns vorzglich handelt,
verloren gehen. Dieser Umstand ist unserem Vorhaben gnstig, denn
wir haben kein Mittel, die Brechung der Strahlen innerhalb des Auges
zu verhindern, und mssten von ihr absehen, wenn sie auch bedeu-
tender wre, whrend es fr die Aufhebung oder wenigstens bedeutende
