Ueber das Orthoskop. 	91

Verringerung der Brechung an der Oberfläche der Cornea, wie ich
sogleich zeigen werde, ein zweckmässiges Mittel gibt. Ich wurde vor
etwa drei Jahren beim Präpariren eines Auges auf dieses Mittel auf-
merksam.
	Die das Auge umgebende Luft hat, wie wir wissen, im Verhält-
niss zur Cornea oder dem Humor aqueus eine geringe lichtbrechende
Kraft, und ist namentlich Schuld an der starken Ablenkung der aus-
fahrenden Strahlen. Würden wir die atmosphärische Luft fortschaffen,
und das Auge statt mit dieser mit einem Körper umgeben, welcher
das Licht eben so stark als die Cornea oder der Humor aqueus bricht,
so wurden wir ein für unseren Zweck günstigeres Verb ältniss schaffen.
Die reflectirten Lichtstrahlen würden, von der vorderen Fläche der
Linse angefangen, Medien von fast verschwindend kleinen Dichtigkeits-
unterschieden durchlaufen, und könnten somit kaum erheblich von
ihrer Richtung abgelenkt.werden. Der Abschnitt des Auges vor der
Linse müsste uns demnach weit eher als unter anderen Umständen in
seinen wahren obj ectiven Verhältnissen erscheinen; was hinter der
Linse liegt, wird sich aber immerhin unter mehr oder weniger bedeu-
tenden optischen Veränderungen dem Blicke darbieten', die Linse
selbst gehört theils in das 'einer exacteren Beobachtung zugänglich
gemachte, theils in das andere Gebiet. - Würde der Körper bedeu-
tend stärker als die Cornea das Licht brechen, so würden die reflectir-
ten Lichtstrahlen beim Austritte zum Perpendikel abgelenkt, und die
inneren Theile des Auges abermals unter anderen Gestalten erscheinen
lassen.
	Ein Körper von der gewünschten brechenden Kraft, welcher zu-
gleich Beweglichkeit genug besitzt, sich an das Auge anzuschmiegen,
ist z. B. das Wasser. Das Brechungsvermögen desselben nämlich wird
durch die Zahl 1,3358 ausgedrückt. Da nun die Cornea mit 1,33, die
wässerige Feuchtigkeit mit 1,338 bricht, so wird die Ablenkung der
Lichtstrahlen von ihrem geradlinigen Wege nur unbedeutend sein.
	Es ist nicht schwer, das Auge auf irgend eine passende Weise
unter Wasser zu setzen, und zugleich der Beobachtung von Aussen zu-
gänglich zu machen. Man kann ganz einfach das Gesicht in ein glä-
sernes Wasserbecken tauchen, die Augen öffnen und nun von einem
zweiten durch die Glaswand beobachten lassen. Dieses etwas rohe
Verfahren würde wenigstens genügen, um sich schnell von der über-
raschenden Wirkung der Wasserschichte auf das Aussehen eines leben-
digen Auges zu überzeugen. Für wissenschaftliche Zwecke habe ich,
ui bequemer und länger beobachten zu können, einen besonderen
Apparat ausgedacht, welcher bei aufrechter Stellung des Kopfes eine
