Ueber das Orthoskop. 	93

dass namentlich für the praktische Augenheilkunde verschiedene zweck-
dienliche Modificationen des Apparates und der Anlegung zu erdenken
sind, z. B. ein Kautschuk-Besatz fur den Gesichtsausschnitt etc. Ich
überlasse jedoch diese Verbesserungen den praktischen Ocnlisten,
welche ihre Bedürfnisse besser kennen al ich. Die Hauptsache ist,
das Auge unter das Niveau einer Flüssigkeit von den geforderten
Eigenschaften in der Weise zu setzen, dass es gut und bequem beob-
achtet werden kann 1)
	Man giesst das Wasser von oben in den Apparat ein, und lässt das
Auge vorläufig schliessen, damit es sich beim allmählichen Oeffnen mit
dem etwas abschreckenden Eindruck des ungewohnten Mediums nach
und nach befreunde. Hat es sich endlich geöffnet, so erscheint es dem
Beobachter ganz eigenthümlich verändert; von vorn gesehen weniger
auffallend als in der Profilansicht. Die Iris tritt als ein ebener Vor-
hang weit zurück, die Cornea hingegen wölbt sich als eine glashelle
halbkuglige Blase hervor, und gestattet eine seitliche Durchsicht durch
die vordere Augenkammer. Bei sehr stark erweiterter Pupille liegt die
Linse bloss und kann genau untersucht werden. Mit kurzen Worten,
alle räumlichen Verhältnisse der vorderen Theile des Auges, welche
wir hauptsächlich berücksichtigen, präsentiren sich nahezu in ihrer
natürlichen Beschaffenheit, und können daher mit grösserer Präcision
als bis jetzt beurtheilt werden. Die von mir angegebene Unter-
suchungsmethode, welche hiermit noch keineswegs in allen Richtungen
ausgebeutet ist, dürfte für den Ophthalmiatriker von einiger diagne-

	1 Nachdem bereits diese und Dr. v. HAsNER's (Prag. Vtljschr. XXXII'S. 166 
if.)
Abhandlung dem Drucke übergeben war, ist es mir gelungen, das Abfliessen des
Wassers auf eine sichrere Weise als durch Unterlagen von Baumwolle zu verhin-
dern. Ich nehme statt Baumwolle geknetete Mica panis, welche sich an das Ge-
sicht sehr genau anlegt, und den Rand des Apparates bei gelindem und 
anhalten-
dem Drucke tief in sich aufnimmt. Hat man das Brod vorher gut durchgeknetet,
so dass es keine Risse und Spalten hat, ferner den Rand tief eingedrückt und
einen gehörigen continuirlichen Druck angewendet, so fliesst kein Tropfen ab.
Ein mit Baumwolle ausgestopftes Pölsterchen von Wachstaifet habe ich auch 
ver-
sucht. Am Gesichte hält es vortrefflich. Der Rand des Apparates kann jedoch
nicht tief genug einsinken, und müsste, wenn diese Vorrichtung ihren Zweck 
ganz
erfüllen soll, wasserdicht mit dem Polster verbunden werden. Am besten und
bequemsten wird es sein, wenn man einen besonders gestalteten Besatz von 
Kaut-
schuk an den Gesichtsausschnitt anbringen lässt. Ich habe schon oben davon
Erwähnung gethan, und hätte schon längst diese Idee ausgeführt, wenn ich 
eines
Arbeiters habhaft geworden wäre. Um durch das Fiziren des Apparates nicht
im Beobachten gestört zu werden, namentlich wenn man keinen Gehilfen dazu bei
der Hand hat, ist es zweckmässig, den Apparat durch eine Vorrichtung, z. B. 
einen
Riemen, metallene Spangen an den Kopf des Patienten zu befestigen.
