﻿116 Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.
Mumien eingewickelt waren, ist ziemlich grob, aber sehr gleich gearbeitet. Ich habe die Fasern desselben mikroskopisch und chemisch untersucht. Sie waren nicht platt und drehten sich unterWasser nicht spiralig zusammen, wie die Fasern der Baumwolle ; sie waren vielmehr gerade gestreckt rundlich, und stimmten auch sonst mit den Bastzellen des Leines und des Hanfes überein. Im Durchschnitt haben sie einen Durchmesser von 0,006—0,008 Wiener Linien, doch kommen auch dickere von 0,012'" und viel feinere von 0,004'" vor. Mit Iodund Schwefelsäure behandelt, quollen die Fasern rasch auf und färbten sich schön blau ; der Primordialschlauch setzte sich sehr deutlich als ein braungelber Faden von den blauen Verdickungsschichten ab, welche in ziemlich regelmässigen Abständen ringförmig eingeschnürt waren. Das Verhalten gegen diese Keagentien unterscheidet die Fasern nun auch von jenen des Hanfes und vervollständigt ihre Ueberein-stimmung mit denen des Leins. Vgl. Die Pflanzenzelle, der innere Bau und das Leben der Gewächse von Du. Schacht, Berlin 1852, S. 214—217 ; ferner Taf. IX, Fig. 10 ;. Demnach muss ich das fragliche Gewebe an unseren Mumien für Leinwand erklären.
Jomard *) findet zwar wie er glaubt in Uebereinstimmung mit Herodot , welcher überall, wo von dem Zeuge zum Einwickeln der Mumien die Rede ist, den Ausdruck Byssus braucht , dass das Gewebe durchgängig aus Baumwolle gemacht sei, allein er gibt doch auch eine Ausnahme von der Regel zu. Die Mumien aus den Katakomben von Pliilae sind nämlich nach seiner Beschreibung in überaus grobe Flachsleinwand gewickelt. Rouyer1 2) behauptet entgegen Caylus und Rouelle, dass das Gewebe nicht immer ein Baumwollenstoff, sondern sehr häufig Leinwand sei. Gerade die mit mehr Sorgfalt behandelten Mumien, so auch jene des Ibis, sind nach ihm meist in Leinwand eingewiekelt.
Thomson und Bauer3 endlich wollen bei der mikroskopischen Untersuchung einer überaus grossen Menge von Proben der verschiedensten Gewebe, welche an den Mumien gefunden wurden, auch nicht eine Baumwollenfaser erkannt haben und erklären alles Mumienzeug für Leinwand, den Byssus der Alten aber demgemäss für Flachs. (Vgl. hierüber bes. C. Ritters : Ueber die geograpli. Verbreitung der Baumwolle und ihr Verhältniss zur Industrie der Völker alter und neuer Zeit, I. Abschnitt, S. 19. Berlin 1852, beiDiimmler).
1	Description de l’Egypte, seconde édition. Paris 1821, tom. Ill, p. 71.
2	Description de 1 Egypte, seconde édition. Paris 1822, tom. VI, p. 477.
3	Thomson : Ueber das Gewebe an den ägyptischen Mumien. Liebig’s Ann. Band 69.