﻿Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.
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Von Papyrus-Rollen, Amuleten und dgl., fand ich weder bei der grösseren noch hei der kleineren Mumie eine Spur ; es wäre denn eine lose um den linken Oberarm der ersteren gebundenes Strickchen, von welchem in keiner der mir bekannten einschlägigen Schriften Erwähnung geschieht, hierher zu rechnen. Die kleinere Mumie könnte möglicher Weise schon früher dieser Dinge beraubt worden sein. Uebrigens sind namentlich die Papyrus-Rollen selten genug und scheinen nur besonders ausgezeichneten Personen, unter welche unsere beiden Mumien wohl nicht gehört haben, .beigegeben worden zu sein. Es darf desshalb gar nicht Wunder nehmen, wenn diese interessanten Beigaben fehlen.
Nach völliger Enthüllung ergab sich die grössere Mumie als der Körper eines erwachsenen weiblichenl n d i v i d u u m s, die kleinere als der eines Knaben von etwa 15 Jahren. Ich habe schon oben angegeben , in welchem Zustande sich die kleinere Mumie befand, als ich sie zur Untersuchung bekam. Trotz der beschriebenen Zerstörung war ich jedoch nichts destoweniger im Stande, die wesentlichsten Verhältnisse mit Sicherheit zu ermitteln. Zum Theil verdanke ich gerade diesem Umstande einige wichtige Aufschlüsse, über die Erhaltung der Structur verschiedener Gewebe, welche nur durch die, an diesem Exemplare eben gestattete, rücksichtslosere Untersuchung zu erhalten waren.
Die Grösse des K nabe n vom Scheitel bis zur Sohle habe ich annähernd auf 1,35 m bestimmt.
Die Stellung, in welcher derselbe mumificirt und eingewickelt worden war, liess sich aus der relativen Lage der vorhandenen Theile im Allgemeinen ganz gut erkennen. Ob der abgetrennte Kopf auf der nicht mehr vorhandenen Halswirbelsäule etwas nach vorne geneigt war, konnte freilich auf keine Weise ermittelt werden, ist aber wohl mit einiger Wahrscheinlichkeit vorauszusetzen. Der Rumpf und die Beine sind gerade gestreckt; die letzteren einander wohl genähert doch nicht bis zur Berührung, indem zunächst nicht nur jedes Bein, sondern auch jeder Kuss für sich mit Leinwand umwickelt worden war 1 . Die Arme sind gleichfalls gerade gestreckt, dabei aber nach vorne und einwärts gerichtet, so dass sich die Hände Uber der Schooss-gegend kreuzen. Nach Sieber (a. a. O., S. 18) findet man gewöhnlich daselbst, zwischen den zusammengeneigten Händen, jene merkwürdigen Papyrus-Rollen, welche die Biographie des Verstorbenen
1 Selbst jede einzelne Zehe fand ich mit Bindfaden umwickelt. Aehnlich berichtete Jomard (a. a. 0., S. 70) u. A.