﻿Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien. 129
und wie ein Deckel die gemachte Oeffnung schloss, und bahnte mir auf diese Weise den Weg zur Untersuchung der Brusthöhle sowohl als der Bauchhöhle.
Die Brusthöhle fand ich fast ganz leer. Das Herz und die Lungen waren entfernt worden, eben so das Zwerchfell, von welchem rechts an der vordem Brustwand nur noch ein kleines Rudiment zu sehen ist. Hinter dem Sternum, nach oben, macht die das Cavum thoracis auskleidende braune Haut eine vorspringende Duplicatur, welche als Rest des vordem Mediastinum anzusehen ist. Auf der linken Seite der Wirbelsäule konnte ich die Aorta durch den ganzen Brustraum nach oben verfolgen und alle Einzelnheiten des Aortenbogens nach-weisen. Die Aorta war knapp am Herzen abgeschnitten worden. Nach hinten und innen vom Bogen der Aorta erkannte ich mit aller Deutlichkeit die Luftröhre, deren halbe Knorpelringe zu schmalen, auf dem Durchschnitt schwarzbraun gefärbten Spangen zusammengetrocknet waren. An der hinteren Wand der linken Thoraxhälfte reichte bis zur vierten Rippe hinauf eine dicke Schichte schwarzen Mumienharzes, welches von dem Balsamirer nach Entfernung der Brusteingeweide in flüssigem Zustande durch jene Seitenöffnung in den Bauchdecken hereingegossen wurde und im Flusse erstarrte. In die rechte Thoraxhälfte ist nichts von dem Harze eingedrungen.
Die Grenze zwischen der Bauchhöhle und der Brusthöhle bilden zwei untereinander durch Fäden zusammenhängende Ballen von Leinwandfetzen, welche rechts und links von dem letzten Stück der Brustwirbelsäule festgestopft worden waren. Die Bauchhöhle ist ganz aus-gefüllt mit unregelmässigen knolligen Massen, welche über und über mit Harz umgeben, und zu einem festen Klumpen zusammengebacken erscheinen. Gleich unter dem Leinwandballen, welcher die rechte Thoraxhälfte von der Bauchhöhle trennte, lag jedoch ein isolirtes keilförmiges Stück, welches sich leicht herausnehmen liess, und bei näherer Untersuchung als ein Convolut von Gedärmen ergab, und eine schwarze, lederartige, dünne Platte, welche gefaltet und zusammengerollt war. Nachdem ich diese letztere in Wasser aufgeweicht und von den Harzmassen gereinigt hatte, erkannte ich zu meinem nicht geringen Erstaunen, dass es die abgezogene Epidermis der rechten Fusssohle war. Die ganze Zeichnung der Tastlinien präsentirte sich mit ausgezeichneter Schärfe. Eine genaue Besichtigung der Fusssohlen bewies, dass die Epidermis beiderseits von der Ferse bis zu den Zehen fehlte.
Die Epidermis der Zehen hörte am Grunde derselben mit einem scharfen gezackten Rande auf. Die vordere Contour des in der Bauch-
Czermak, Schriften.
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