﻿1 54 Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.
Zwischen den Blättern der Fascien und Aponeurosen fand ich die Beste der quergestreiften Muskelfasern, welche in eine hraungelbe, fast hornartig durchscheinende Masse umgewandelt waren. Dieses Verhalten des Muskelgewebes gleicht vollkommen jenem der Muskeln der ägyptischen Mumie, wie ich es a.a.O. S. 37 (oben S. 145 beschrieben habe, nur mit dem Unterschiede, dass ich im letztem Falle die Querstreifen durch Behandlung des Präparats mit Terpentinöl deutlich machen konnte, während sich im erstem Falle selbst nach Anwendung dieses Reagens, nur sehr undeutliche Spuren von Primitivbündeln und Querstreifen zeigten. An vielen Stellen, so namentlich zwischen den Metaearpus-Knochen waren die Muskelmassen völlig verwittert und spurlos verschwunden.
Die Nerven haben dagegen der Zerstörung auf eine überraschende Weise widerstanden. Ich konnte dieselben mit dem Scalpell von den Hauptstämmen durch die Hohlhand bis gegen die Fingerspitzen als hellbräunliche Stränge verfolgen. Unter dem Mikroskop erkannte ich mit voller Sicherheit die Fasern des Neurilemms und die einzelnen N e r v e n p r i m i ti v fi b r i 11 e n, welche sich als deutliche mit eoagu-lirtem, krümeligem Nervenmark gefüllte Böhren darstellten. Ich habe an frischen Präparaten die structurlose Scheide der Primitivfibrillen niemals so deutlich gesehen, wie hier. Die Nervenfasern der ägyptischen Mumien hatten ganz das Aussehen von in Chromsäure oder Sublimat gehärteten Axencylindern a. a. Ö. S. 39 und Fig. 11, vgl. oben S. 147, und unterscheiden sich demnach sehr wesentlich von den eben beschriebenen Fasern, was offenbar von den verschiedenen Umständen herrührt, unter welchen die beiden Arten von Mumien sich gebildet haben.
Das Nervenmark der Fibrillen der ägyptischen Mumien scheint nämlich keine Zeit gehabt zu haben, zu coaguliren und in Krümel zu zerfallen, weil es gleich nach dem Tode des Individuums dem Einbal-samirungsprocesse ausgesetzt wurde und unter der Einwirkung der zur Balsamirung verwendeten Stoffe sehr rasch zu einer elastischen Masse erhärtete; während das Nervenmark der bordeauxer Mumien in seiner Zersetzung durch nichts gehindert, n u r im Zustande der Zersetzung, im günstigsten Falle, eben in einem Anfangs st a di um der Zersetzung durch endliche Eintrocknung) conservirt werden konnte. Aehnliches scheint für die Muskelsubstanz zu gelten, woraus sich dann leicht der schlechtere Zustand, in dem sieh die Muskeln der bordeauxer Mumien befinden, erklären liesse.
Die Vater-Pacini sehen Körperchen sind entweder verwittert und nicht mehr vorhanden oder sie sind meiner Aufmerksam-