	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	125

Negerrace gehrt weder dieser noch der andere Schdel, zum semiti-
sehen Typus eben so wenig, das ist gewiss.
	Demnach bliebe die Wahl zwischen dem pelasgischen und gyp-
tischen Typus. Den Schdel des Knaben glaubte ich eher zum pelas-
gischen Typus stellen zu mssen, weil die Charaktere des gyptischen
noch weniger stimmen wollten. MORTON sagt nmlich:  the Egyptian
form differs from the Pelasgic in having a narrower and more receding
forehead, while the face being more prominent, the facial angle is conse-
quently less . Der Schdel des Weibes jedoch spielt durch seine seit-
liche Abflachung mehr in diese Formen herber. Die Kreuzung der
Racen einerseits und die noch immer nicht hinreichend festgestellten
Charaktere der Typen andererseits machen das Schwankende der Be-
stimmung in diesem und in anderen Fllen begreiflich.
	Die Uebergangsformen liessen sich wohl mit grsserer Bestimmt-
heit unterbringen, wenn nur die Haupttypen besser charakterisirt wren
und die ganze Methode der Untersuchung exacter wre. Der Weg,
welchen RETzlus 1) durch seine wichtigen Arbeiten angebahnt hat,
scheint mir aus der bisherigen Unsicherheit herauszufhren. Auf die
Betrachtung der Schdelformen darf sich jedoch die anthropologische
Untersuchung nicht beschrnken. Die Proportionen des Rumpfes und
der Glieder mssen in gleicher Vollstndigkeit behandelt und berck-sichtigt 
werden. CARUS hat in seiner Physis einen ganzen Abschnitt
der Betrachtung der Grssenverhltnisse der Krpertheile gewidmet.
In hnlicher Weise wrden alle Racen durchzuarbeiten sein. Als Re-
sultat ergbe sich dann wo mglich eine Anzahl mathematischer
Formeln, welche der prcise Ausdruck fr die charakteristischen For-
men der Racen wren. -
	Die Stellung, in welcher die Mumie eingewickelt worden war,
ist die eines ausgestreckt Liegenden. Der Kopf ist etwas gehoben, wie
wenn er auf einem Kissen ruhte. Der Rumpf und die Beine sind gerade
gestreckt. Die Arme, im Ellenbogengelenke leicht gebogen, laufen
an den Seiten herunter, so dass die Hnde mit der Palmarflche an
den Schenkeln liegen und der Mittelfinger jederseits bis gegen die
Mitte des Femur reicht. Dies ist die gewhnliche Richtung der Arme
bei weiblichen Mumien; die Mnner hatten meist die Arme ber der
Brust gekreuzt 2). Zwischen den zusammengeneigten Beinen bleibt
wegen der Breite des Beckens ein dreieckiger Raum, dessen Spitze


	1 Vergl. dieses Naturforschers zerstreute craniologischen Aufstze in 
MUller's
Archiv.
2 JOMARD a. a. 0., S. 86.
