	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	137

zerstrt. Ich habe dieselbe nachtheilige Wirkung auf die Kerne der
MALPrnHI'schen Zellen auch an frischen Prparaten, beim Aufkochen
mit Natron, hufig beobachtet; Essigsure bringt diese Kerne deutlich
zur Anschauung. Das Stratum Malpighii erscheint somit als eine Lage
von kernlosen zartwandigen Blschen. Ich habe, Fig. 1, einen Quer-
schnitt des Nagels vom Ringfinger der weiblichen Mumie, nach Be-
handlung mit Natron gezeichnet; nach unten sieht man die kernlosen
Zellen des MALPIGI-u'schen Netzes. Die oberen Schichten der Nagel-
zellen dehnen sich manchmal nicht so vollstndig aus und erscheinen
dann platt und lang (Fig. 2b). Die Nagelzellen haben einen Durch-
messer von 0,0 6", die Kerne, welche meist keine ganz regelmssige
Gestalt hatten, sind 0,0015 bis 0,002" dick und 0,004" lang. Die
Zellen der Schleimschicht waren 'etwa um die Hlfte kleiner als die
Nagelzellen.

c) Haar.
	Als Object der Untersuchung dienten mir vorzglich die Kopf-
haare der weiblichen Mumie. Ich habe schon oben bemerkt, dass die
Farbe derselben verschiedene, hellere und dunklere Schattirungen
zeigt, welche wohl aus der Einwirkung der zur Balsamirung verwen-
deten Stoffe erklrt werden mssen; hier kann ich noch hinzufgen,
dass auch die Dicke der Haare ungleich ist, aber mit der vernderten
Frbung kaum in directer Beziehung steht, obschon die dunkleren
Haare meist feiner sind als die helleren. Der Durchmesser der Haare
variirt von 0,045" bis 0,029". Die dachziegelfrmig sich deckenden
Schuppen des Oberhutchens knnen schon bei einfacher Betrachtung
des Haares unter Wasser deutlich wahrgenommen werden. Kocht man
das Haar mit kaustischer Natronlsung, so quillt es wie ein frisches
auf, und man erkennt in der weichen, lngsgestreiften Rindensubstanz
die langen, spindelfrmigen Kerne der Faserzellen und in der Median-
linie die polygonalen, senkrecht an einander gereihten Markzellen,
welche fter ganz oder streckenweise fehlen. Besonders bernerkens-
werth erscheint mir noch der Umstand, dass die Schuppen des Ober-
hutehens, das sich manchmal als zusammenhngende Membran
bauchig von der Corticalsubstanz abhebt, wahrscheinlich in Folge eines
bestimmten Concentrations- und Hitzegrades der Natronlsung an
einigen Prparaten zu Blschen aufgequollen sind (vgl. Fig. 3 a). Die
Oberimautschtippehen frischer Haare konnte ich bisher eben so wenig
wie KLLIKER u. A., zum Aufquellen bringen. Man betrachtet bekannt-
lich gerade das Ausbleiben dieser Erscheinung als ein unterscheidendes
Merkmal dieser Schuppen von den gewhnlichen Epidermiszellen.
