138	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.

Ich habe an die Mglichkeit einer Tuschung gedacht, indem,
wenn die Flssigkeit zw is eh en zwei Schuppchen eindringen wrde,
ein hnliches Bild entstehen msste, wie wenn die Wandungen eines
und desselben Schppchens durch Imbibition auseinander getrieben
werden. Bei genauerem Zusehen hat sich jedoch diese Vermuthung
als unstatthaft erwiesen, und die mitgetheilte Thatsache muss als
solche stehen bleiben. Vielleicht gelingt es spter auch an frischen
Haaren Aehnliches zu beobachten.
	An mit 'Natron gekochten Querschnitten der Haare habe ich in der
Corticalsubstanz eine deutliche polygonale Zeichnung bemerkt. Die
polygonalen Abtheilungen waren von verschiedener Grsse und Gestalt,
und hatten meist in der Mitte einen dunkel contourirten Punkt, welcher
sich bei Vernderung der Focaldistanz in die Dicke des Schnittes, als
ein dnnes Stbcheu, hinein verfolgen liess. Die kleineren Zwischen-
rume zwischen den Polygonen hatten ge*linlich keine oder nur sehr
feine Punkte. Diese centralen Punkte hatten einen Durchmesser von
0,0006" bis 0,001", whrend der Durchmesser der eckigen Felder
zwischen 0,0067" und 0,0033- schwankte. -Diese Messungen stimmen
auf so berraschende Weise mit den durch K5LLIKER angegebenen
Dimensionen der Faserzellen der Rinde und ihrer langen dnnen Kerne
berein, dass nicht nur kein Zweifel ber die Bedeutung jener von mir
beobachteten polygonalen Felder und Punkte brig bleibt, sondern
zugleich auch der Beweis fr die Richtigkeit der Grssenverhltnisse
dieser Elementartheile, welche KLLIKER nach Zerfaserung der mit
Schwefelsure behandelten Rinde bestimmt hat, geliefert wird.
	Die auf Durchschnitten der Rinde erscheinenden zart contourirten
Polygone und rundlichen Punkte, welche ich Fig. 4 von einem mark-
losen Mumienhaare abgebildet habe, sind nichts anderes als die Quer-
schnitte der ber und nebeneinander gereihtenFaserzellen der Rinden-
substanz und ihrer Kerne. Es ist mir seither wiederholt gelungen, an
frischen Haaren dieselbe Beobachtung zu machen.
	Die Schuppen des Oberhutchens erscheinen auf dem Querdurch-
schnitte der Haare als dnne, gebogene Stbchen, welche in mehreren
Lagen den Umkreis der Rinde bedecken (vgl. Fig. 4 a), weil sie sehr
nahe ber einander stehen und wie die Ziegeln eines Daches angeord-
net sind, so dass eine senkrecht auf die Lngsaxe des Haares gestellte
Ebene, welche durch die Dicke des Oberhutchens schneidet, auf die-
sem Wege mehrere Plttchen treffen muss.
	Das brunliche Pigment der Haare war theils in Form von kleinen
Krnchen an den bekannten Punkten abgelagert, theils machte es sich
mehr als eine diffuse, gleichmssige Frbung der Substanzen bemerklich.
