140 	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.

Essigsure oder Natronlsung verschwand die fibrilise Structur und
machte einem mehr homogenen Ansehen Platz. Dabei traten die Kerne,
die Kernfasern und die elastischen Fasern, je nach der ihnen zukom-
menden Verbreitung, deutlicher hervor. Ich habe den ganzen rechten
Arm der Knaben-Mumie in Wasser maceriren lassen und konnte hier-
auf die Aponeurosen, Bnder und Sehnen mit dem Scalpell verfolgen,
Die Bnder hafteten meist nur lose an den Knochen, das Lig. carpi
transversum hing jedoch noch sehr fest mit den betreffenden Hand-
wurzelknochen zusammen, und hielt durch die straffe Spannung die
zur Hohlhand laufenden Sehnen der Fingerbeuger nieder. Auf feinen
Querschnitten der Bnder und Sehnen zeigte sich ihre Zusammen-
setzung aus einzelnen grsseren und kleineren Bndeln mit aller Deut-
lichkeit. In Fig. 7 ist eine kleine Partie des Querschnittes der Sehne
- des Musc. flexor pollicis longus, bei starker Vergrsserung abgebildet.
Die grossen unregelmssigen, polygonal abgeplatteten Felder ent-
sprechen secundren Sehnenbndeln, welche durch interstitielles
Bindegewebe auseinander gehalten werden. Die schwarzen Pnktchen
im Innern dieser Felder sind die Durchschnitte der Kernfasern, welche
nach KLLIKER zwischen den primren Bndeln sitzen. Von den
Querschnitten der zu den Primitivbndeln vereinigten Fibrillen habe
ich Nichts wahrgenommen.
	An vielen Punkten hatten die Sehnen das bekannte auch an Ner-
venbndeln vorkommende, quergebnderte Ansehen, welches in beiden
Fllen der optische Ausdruck der regelmssigen, wellenfrmigen Bie-
gungen der Primitivfasern ist.
	An derselben Mumie habe ich noch Stcke vom Periost und Pen-
chondrium, ferner die Fascia iota, die Seitenbnder des Kniegelenkes
und die Tunica albuginea der Schwellkrper des Penis untersucht und
in entsprechender Weise erhalten gefunden.
Von der anderen Mumie lieferte das Ligam. longitudinale anterius
der Wirbelsule den Beweis, dass auch hier die fibrsen Elemente,
wie das Bindegewebe berhaupt, vor der Zerstrung bewahrt worden
sind. Bndel und Fasern waren vollkommen deutlich.
	Das elastische Gewebe habe ich n ausgezeichneter Form in der
Fascia lata und in den gelben Bndern beobachtet. Stcke der Letz-
teren verschaffte ich mir bei Erffnung des Rekgrateanals der weib-
lichen Mumie.
	Die elastischen Fasern waren dunkel contourirt, einfach, ver-
zweigt, netzfrmig verbunden und widerstanden der Einwirkung der
Essigsure, ja selbst der Alkalien sehr gut. Der Durchmesser der
Fasern der Ligarnenla flava betrug 0,0016" bis 0,0034".
