Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien. 141

	Als einen Unterschied zwischen frischgetrockneten fibrsen Massen
und den Bndern und Sehnen etc. der Mumien, muss ich schliesslich
hervorheben, dass jene durch die Maceration die Durchsichtigkeit ver-
lieren, und ihr weissliches silberglnzendes Ansehen wieder annehmen,
whrend diese nach dem Aufweichen eine mehr gelatinse Beschaffen-
heit zeigen.


4. Von dem Knorpel.
	Die Knorpel waren bei beiden Mumien zu harten, mehr oder we-
niger sprden, gelbbraun oder selbst schwrzlich gefrbten, durch-
scheinenden Massen zusammengetrocknet, ohne brigens durch den
Wasserverlust ihre Gestalt ganz eingebsst zu haben. In Wasser
gelegt quollen sie leicht auf, und verloren ihre mitunter glasartige
Sprdigkeit, so dass ich ohne Schwierigkeit feine Durchschnitte anfer-
tigen konnte. Dabei behielten die Knorpel einen lebhaften Stich ins
Gelbbraune.
Von F a ser k nor p cl n habe ich die halbmondfrmigen Zwischen-
gelenkknorpel des Kniegelenkes der Knaben-Mumie, die Ligamenta
inlervertebralia der weiblichen Mumie und die Ohrknorpel beider
untersucht.
	In den ersteren fand ich keine Spur von Knorpelzellen, dagegen
eine nicht undeutliche Faserung.
	Die Lig. intervertebralia waren in eigenthiimlicher Weise zusam-
mengetrocknet. Die beiden den Wirbelkrpern unmittelbar anfliegen-
genden Knorpellamellen hatten ihre natrliche Form und einen hohen
Grad von Hrte. Die peripherisehen Schichten der Bandscheibe waren
stark eingezogen, so dass zwischen je zwei Wirbelkrpern eine mehr
oder weniger tiefe concave Rinne herumlief. Auf Durchschnitten zeig-
ten sich um einen eentralen Hohlraum concentrisch gelagerte periphe-
risehe Spalten und Gnge, welche dem centralen Kern und dem
geschichteten Bau der Zwischenwirbelbnder entsprechen. Mit Wasser
behandelt, quollen die Bandscheiben stark auf und liessen smmtliche
Elementartheile und deren bekannte Anordnung deutlich wahrnehmen.
	Die Knorpel des usseren Ohres endlich, welche von einem starken
Perichondrium eingehllt waren, bestanden aus einer cigenthmlieh
faserigen Grundsubstanz und deutlichen lnglich runden, mit ein bis
zwei kernartigen Massen ausgefllten Zellen. In Fig. 8 habe ich ein
Stck des Ohrknorpels gezeichnet, bei a bemerkt man ovale Lcken
der Grundsubstanz, in welchen Knorpelzellen eingebettet waren, die
in Folge der Prparation herausgefallen sind.
