	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	143


5. Von dem Knochengewebe.
	Das Periost hatte sich bei der kleineren Mumie mit den Weich-
theilen an den meisten Stellen abgelst, an einigen Punkten haftete es
jedoch an den Knochen noch fest. Bei der grsseren Mumie war es
noch berall nachzuweisen.
	Die Knochen selbst liessen an allen Theilen, welche ich unter-
sucht habe, meist sehr reichverzweigte Knochenkrperchen, Haver-
sianische Canlchen und deutliche Lamellelisysteme erkennen. Nach
Zusatz von verdnnter Salzsure traten die allgemeinen und speciellen
Lamellensysteme noch schrfer hervor und zerfielen bei geeigneter Be-
handlung in einzelne Lamellen. Die Knochenkrperchen verloren dabei
ihre Auslufer und erschienen als blasse lngliche Lcken.
	Bcmerkeuswerth war mir die auffallende Morschheit der spongi-
sen Substanz der Wirbelkrper der weiblichen Mumie, welche sich,
wie gerstetes Brod, mit dem Messer schneiden liessen.
	Die Markhhlen und Markzellen der Knochen fand ich meist ganz
leer, doch ist es mir gerade an den morschen Wirbelkrpern gelungen,
deutliche Reste des fettreichen Markes zu entdecken.
	Ich unterschied nach Behandlung des Prparates mit etwas! ver-
dnnter Natronlsung Bindegewebe, Fettzellen und jene kernhaltigen
Markzellen, welche HASSE und KLLIKER tu allem rothen Mark ge-
funden haben, und Anfangs fr pathologische Producte hielten, spter
aber als einen constanten Bestandtheil des Markes gewisser Knochen
erkannten.

6. Von den Zhnen.
	In den Zhnen walten die anorganischen Substanzen in einem
solchen Grade vor, dass es Niemand Wunder nehmen kann, wenn
diese Gebilde bis ins mikroskopische Detail erhalten gefunden werden.
Des gnstigen Resultates von vornherein gewiss, verfertigte ich ein
Prparat von der zufllig abgebrochenen Krone eines Schneidezahnes
und ein anderes von der Wurzel eines anderen Zahnes.
	Der Schmelz zeigte sieh zusammengesetzt aus einzelnen Prismen,
welche an mehreren Stellen fein qucrgestreift und in gewohnter Weise
angeordnet waren. Sehr ausgeprgt erschienen jene Frbungen, die
auf Lngsschliffen als braungelbe, schrg von unten und innen nach
aussen und oben aufsteigende Linien sich darstellen. Auf der usseren
Oberflche des Schmelzes bemerkte ich jene zierlichen quer um die
Krone herumlaufenden fsinen Wulstchen und Furchen, weiche ich
