141 	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.

immer nur an den zweiten oder bleibenden Zhnen gesehen und an
einem anderen Orte ausfhrlich beschrieben habe. Der untere Theil
mehrerer Zahnkronen war mit dicken Ablagerungen von Weinstein
umgeben.
	Die homogene Grundsubstanz des Zahnbeines hatte einen
merklichen Stich ins Gelbe, besonders an der Spitze der Krone, wo
sie wegen der Abnutzung des Schmelzberzuges frei zu Tage lag.
	Die Zahncanlchen, welche sich auf dem Wege von der Pulpa-
hhle zur Peripherie verstelten und verjngten, waren namentlich im
unteren Theile der Wurzel an manchen Punkten unregelmssig erwei-
tert. An der Grenze zwischen Cement und Zahnbein fand ich die
kleinen eckigen Hohlrume, welche ich in meinen Beitragen zur
mikroskopischen Anatomie der menschlichen Zahne) als Intergiobu-
larrume gedeutet habe, in zahlreicher Menge vor.
	Von den grsseren Interglobularrumen, welche mehr im Kronen-
theil des Zahnbeines vorkommen, und wie KLLIKER gezeigt hat, in
frischen Zhnen nicht ossificirte Dentine enthalten, habe ich nichts
bemerkt. Das Cement enthielt stellenweise sehr gehufte, grosse
Knochenkrpercheirr mit buschig verzweigten Auslufern.
	Auf der usseren Oberflche des Cements zeigte sich eine hnliche
Furchung wie auf der Oberflche des Schmelzes.
	In den Keimhhlen, der Zhne, welche ich durch Anschleifen
geffnet hatte, fand ich unzweifelhafte Reste der Pulpa. Die mikro-
skopische Untersuchung dieser mhsam eroberten Ueberbleibsel konnte
jedoch keine deutliche, sichere Spur von Nervenfasern oder Gefssen
nachweisen. Dagegen waren die Fden und Keimkrner eines Pilzes,
welcher dich in den faserigen der Lnge nach spaltbaren Rudimenten
der Pulpa eingenistet hatte, unverkennbar. Da die untersuchten Zhne
der kleineren Mumie angehrten, deren entblsstes Gesicht jahrelang
dem Einflusse der wechselnden Zustnde der Atmosphre ausgesetzt
war, so kann die Anwesenheit dieses Epiphyten nicht auffallen.

7. Von den Muskeln.
	Bei der Untersuchung, namentlich dieses Gewebes, habe ich die
Erfahrung gemacht, wie sehr das Resultat solcher Nachforschungen
von der Prparationsmethode und Behandlungsweise der Objecte ab-
hngt. Ich suchte lange vergebens nach den sonst so leicht darstell-
baren quergestreiften Muskelfasern. Die verschiedensten Reagentien
hatte ich ohne Erfolg angewendet; aus den verschiedensten Regionen

1 Zeitschr. f. wiss. Zool. 1850, Bd. II, S. 295. - S. o. S. 56.
