	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	145

des Krpers hatte ich Theile, die nothwendig Muskelfasern enthalten
mussten, der mikroskopischen Untersuchung unterworfen, und doch
wollte mir es nicht gelingen, die unverkennbaren Querstreifen zu
entdecken.
	Schon war ich im Begriffe von diesen fruchtlosen Bemhungen
abzustehen, und mich dem Gedanken hinzugeben, dass sich das Muskel-
gewebe trotz der Einbalsamirung eben doch zersetzt habe, als ich
endlich vermittelst einer sonst nicht gerade hufig angewendeten
Flssigkeit an das erwnschte Ziel gelangte.
	Diese Flssigkeit war das Terpentinl, welches die Eigenschaft
besitzt, die verschiedensten Krper langsam zu durchdringen und auf-
zuhellen. Die Wirkung des Terpentinls tritt ganz allmhlich ein und
man muss oft mehrere Stunden zuwarten. Den ersten gnstigen Erfolg
davon sah ich auf die Fasern des Sphincter pcilpebrarum der weiblichen
Mumie.
	Ich hatte mir einen mikroskopischen Durchschnitt von dem rech-
ten oberen Augenlid verfertigt und denselben gleich mit Terpentinl
behandelt. Das Prparat quoll nach und nach auf, und wurde in hohem
Grade durchsichtig; dabei legten sich die im Schnitte enthaltenen
Bndel des Musc. sphincter pcilpebraruin unter dem leisen Drucke des
Deckglschens um und zeigten sich als kurze Sulchen von der Seite.
Die Querstreifen, welche das Muskelgewebe vor allen anderen Merk-
malen charakterisiren und auszeichnen, erschienen nun mit ber-
raschender Deutlichkeit auf den umgelegten und theilwcise ganz iso-
llrtcn Bndeln. Dabei machte ich die Bemerkung, dass die einzelnen
cylindrischen oder abgeplatteten Bruchstcke der Bndel Anfangs
keine Spur von Querstreifen hatten und ganz glatt, homogen und
braungelb gefrbt aussahen, und erst nach einiger Zeit, unter der Ein-
wirkung des Terpentins, eine allmhlich immer schrfer sich aus-
prgende Querstrcifung erhielten.
	Nun erst erinnerte ich mich der glatten, fast hornartigen, braun-
gelben Bruchstcke, welche mir oft in den frheren Prparaten zwi-
schen den Blttern der Aponeuroscn und Fascien vorgekommen waren,
und erkannte jetzt in ihnen die Reste der vergebens gesuchten Muskel-
bndel, welche nur der Durchdringung mit Terpentinl bedurft htten,
um sich als solche zu mauifestiren.
In Fig. 1 2 habe ich die Muskelbndel des Sphincter palpebrarurn
nach einem mit Terpentinl behandelten Prparate abgebildet. Bei A
ist ein Bndel, welches oben noch keine Querstreifen zeigt, whrend
dieselben am unteren Ende schon aufzutreten beginnen, dargestellt.
Das erste Bndel linker Hand zeigt bei a die ausgesprochene Tendenz
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