	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	147

gestreifte Lage. In dem Balkengewebe der Corpora cavernosa, der
Basis der Ruthe, bemerkte ich braunrothe stumpf endigende Streifen,
welche vielleicht Reste des gestockten Blutes waren.
	Von einer Injection der Blutgefsse mit antiseptischen Substanzen,
welche in den meisten neueren Einbalsamirungsmethode'n eine Haupt-
rolle spielt, findet sich an den gyptischen Mumien keule Spur. -


9. Von den Nerven.
	An dem in Wasser aufgeweichten rechten Arm der, kleinen Mumie
konnte ich, wie bereits erwhnt, die verschiedenen Fascien, Sehnen
und Bnder mit dem Scalpell verfolgen. Dabei richtete ich natrlich
meine Aufmerksamkeit zugleich auf die anderen Gebilde, welche sieh
etwa noch grob anatomisch darstellen lassen wrden, und fand dann
auch am Handgelenke, wo die Weichtheile mit dem Knochen in natr-
licher Anordnung zusammenhingen, sowohl den Nerv us ulnaris 'als den
N. medianus; jenen am Radialrande des Erbsenbcines, diesen zwischen
den Sehnen des Musculus flexor digitorum profundus und sublimis.
	Beide Nervenstmme waren brunlich gefrbt und von den benach-
barten fibrsen Gebilden, welche stark aufgequollen und gelatins
erschienen, leicht zu unterscheiden. Die topographischen Verhltnisse
des Nervus ulnaris und medianus stimmten so genau mit jenen dieser
beiden braunen Strnge berein, dass ich die letzteren schon aus die-
sem Grunde fr nichts anderes halten konnte, als fr die Rudimente
der genannten Nerven.
	Die mikroskopische Untersuchung ergab nebst den fibrsen Ele-
menten, welche der Umgebung und der Hlle angehrten, noch eigen-
thmliche, gelblich gefrbte Fasern von 0,0031" bis 0,0062" Dicke,
welche jedenfalls Nervenfibrillen waren. Diese Fasern hatten wellig
gebogene, unregelinssige Contouren und liessen hie und da eine
Runzelung bemerken, wie sie gerinnendes Nervemi'iark zeigt. Ihre
Consistenz und Biegsamkeit erinnerte mich lebhaft an die in Chrom-
sure oder Sublimat gehrteten Axencylinder der Nervenfasern. Ihre
lichtbrechende Kraft war' nicht gering, eben so ihre Durchsichtigkeit,
denn wo sich zwei Fasern berdeckten, konnte ich die Umrisse der
tiefer liegenden durch die Substanz der deckenden Faser hindurch
deutlich sehen.
In Fig. 11 habe ich mehrere Primitivfasern des N. medianus,
welchen ich nach Durchsehneidung des queren Handwurzelbandes zwi-
schen den Sehnen der Fingerbcuger hervorholte, dargestellt. Die
abgebildeten Fasern sollen, falls es auf der Tafel gelungen ist, ihren
