148	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.

natrlichen Charakter zu treffen, den Eindruck von gehrteten Axen-
cylindern machen, und mssen schon durch ausschliessende Diagnose
als nervse Elemente erkannt werden, da es weder fibrse, noch ela-
stische, noch auch muskulse Fasern sein knnen.
	Ich habe oben bei der Beschreibung der Mumien erwhnt, dass
die Kpfe Beider die Spuren der Excerebration an sich trugen. In der
Schdelhhle des fast gnzlich skeletisirten Kopfes des Knaben fanden
sich auch nicht einmal mehr Reste von dem Harze, mit welchem die
Balsamirer das entleerte Cranium ausfllten.
	Bei der weiblichen Mumie war das Gehirn ebenfalls durch die
Nase entfernt worden; die Erffnung der ohne Zweifel mit Harz aus-
gegossenen Sehdelhhle htte mir daher eben so wenig Material zur
mikroskopischen Untersuchung des Gehirns verschaffen knnen, als
der leere Schdel des Knabens. Ich tind unter diesen Umstnden
von der Erffnung des Craniums, dessen vllige Erhaltung aus anderen
Grnden wnschenswerth erschien, gern ab. Dagegen versprach ich
mir von der Erffnung des Riickgratscanals irgend ein bemerkenswer-
thes Resultat, denn entweder mussten sich Reste des Rckenmarks
daselbst finden oder doch Aufschlsse ber das Schicksal dieses Orga-
nes gewinnen lassen. Ich erbrach den Rckgratscanal von der Leibes-
hhle aus, indem ich einige der morschen Wirbelkrper ohne bedeu-
tende Schwierigkeit entfernte. Unter den vorsichtig abgehobenen
Wirbelkrpern fand sich das Ligamentum longitudinale posterius, wel-
ches mit denselben ziemlich lose zusammenhing. Nachdem ich auch
diese Decke gelftet hatte, lag der Rckgratscanal offen da. Ich ber-
zeugte mich nun, dass vom Rckenmark nicht die geringste Spur vor-
handen war, whrend einige Reste der Rckenmarkshllen mit dem
erwhnten Lngsbande zusammenhingen. An der hinteren Wand des
Rckgratscanals entdeckte ich eine Schichte von Harz. Die inneren
Oberflchen der Wirbelbogen markirten sich in der Weise durch die
Harzschichte hindurch, dass ich sie zhlen und ihre Gestalt deutlich
erkennen konnte. Es ergab sieh als endliches Resultat dieser Unter-
suchung, dass die Balsamirer nicht nur das Gehirn, sondern auch das
Rckenmark auf knstliche Art entfernt und die geleerten Rume mit
Harz ausgegossen haben. Das im Rckgratscanal gefundene Harz war
ohne Zweifel aus der Schdelhhle, welche in liegender Stellung des
Cadavers mit Harz gefllt wurde, an der hinteren Wand des Canals
herabgeflossen.
	Ich muss hier an die oben angefhrte zweite Methode der Excere-
bration erinnern, wo man die Centraitheile des Nervensystems, statt
durch die Nase, durch eine quere Oeffnung herauszog, welche von
