Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien. 117

	Von Papyrus-Rollen, Amuleten und dgl., fand ich weder beider
grsseren noch bei der kleineren Mumie eine Spur; es wre denn eine
lose um den linken Oberarm der ersteren gebundenes Strickchen,
von welchem in keiner der mir bekannten einschlgigen Schriften Er-
whnung geschieht, hierher zu rechnen. Die kleinere Mumie knnte
mglicher Weise schon frher dieser Dinge beraubt worden sein.
Uebrigens sind namentlich die Papyrus-Rollen selten genug und
scheinen nur besonders ausgezeichneten Personen, unter welche unsere
beiden Mumien wohl nicht gehrt haben, beigegeben worden zu sein.
Es darf desshalb gar nicht Wunder nehmen, wenn diese interessanten
Beigaben fehlen.
	Nach vlliger Enthllung ergab sieh die grssere Mumie als der
Krpereines erwachsenenweiblichen Individuums, die kleinere
als der eines Knaben von etwa 15 Jahren. Ich habe schon oben an-
gegeben, in welchem Zustande sieh die kleinere Mumie befand, als
ich sie zur Untersuchung bekam. Trotz der beschriebenen Zerstrung
war ich jedoch nichts destoweniger im Stande, die wesentlichsten Ver-
hltnisse mit Sicherheit zu ermitteln. Zum Theil verdanke ich gerade
diesem Umstande einige wichtige Aufschlsse, ber die Erhaltung der
Struetur verschiedener Gewebe, welche nur durch die, an diesem
Exemplare eben gestattete, rcksichtslosere Untersuchung zu erhalten
waren.
	Die Grsse des Knaben vom Scheitel bis zur Sohle habe ich
annhernd auf 1,35 m bestimmt.
	Die Stellung, in welcher derselbe mumificirt und eingewickelt
worden war, liess sich aus der relativen Lage der vorhandenen Theile
im Allgemeinen ganz gut erkennen. Ob der abgetrennte Kopf auf der
nicht mehr vorhandenen Halswirbelsule. etwas nach vorne geneigt
war, konnte freilich auf keine Weise ermittelt werden, ist aber wohl
mit einiger Wahrscheinlichkeit vorauszusetzen. Der Rumpf und die
Beine sind gerade gestreckt; die letzteren einander wohl genhert
doch nicht bis zur Berhrung, indem zunchst nicht nur jedes Bein,
sondern auch jeder Fuss fr sich mit Leinwand umwickelt worden
war 1). Die Arme sind gleichfalls gerade gestreckt, dabei aber nach
vorne und einwrts gerichtet, so dass sich die Hndetiber der Schooss-
gegend kreuzen. Nach SIEBER (a. a. 0., S. 18) findet man gewhn-
lich daselbst, zwischen den zusammengeneigten Hnden, jene merk-
wrdigen Papyrus-Rollen, welche die Biographie des Verstorbenen

	1 Selbst jede einzelne Zehe fand ich mit Bindfaden umwickelt. Aehnlich be-
richtete JofAIn (a. a. 0., S. 70) ii. A.
