	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	155

keit entgangen, so viel ist sicher, dass ich keines derselben gefunden
habe. Die letztere Mglichkeit erscheint mir, in Hinsicht auf den wohl-
conservirten Zustand der Nerven, die wahrscheinlichere.
	Von dem Gefsssystem habe ich die Art er i a radial is unter-
sucht. Sie liess sich noch recht gut in einzelne Lamellen trennen.
Ich unterschied die Tunica elastico-conjunctiva (DONDERS und JANSEN)
mit ihren elastischen und Bindegewebsfasern und die Tunica strata
elastica mit den gefensterten Huten. Die mittlere elastisch-muskulse
Haut der Arterie war nicht gut erhalten, wenigstens konnte ich ihre
einzelnen histologischen Elemente nicht deutlich wieder erkennen.
	An den K nor p ein der verschiedenen Gelenke nahm ich die be-
kannte Struetur derselben recht deutlich wahr.
	Dass die Structur der spongisen sowohl als der compacten
K no eh ens u b stan z in keiner Weise alterirt war, versteht sich wohl
von selbst. Vom Knochenmark fand ich nur undeutliche Spuren, indem
die Markhhlen der Knochen bios mit Luft gcfullt erschienen. Es fragt
sich hierbei, auf weichem Wege und auf welche Art das Mark aus den
mit den Weiclitheilen und der unverletzten Haut noch vllig umgebe-
nen Knochen so vollstndig verschwinden konnte?
Das Per io st fehlte an manchen Knochen, z. B. den Oss. meta-
carpi, ganz vollstndig.
	Die bordeauxer Mumien stehen den gyptischen hinsichtlich der
Conservirung des mikroskopischen Details ihrer Gewebe kaum nach.
Muss man freilich auf der einen Seite zugeben, dass sich die ersteren
in Bezug auf ihr Alter mit den letzteren nicht im Entferntesten verglei-
chen lassen, so darf man auf der andern Seite auch wieder nicht ver-
gessen, dass die bordeauxer Mumien doch mindestens ber 60 Jahre
alt sind und, ohne einbalsamirt und geschtzt zu sein, seit dem Jahre
1793 dem wechselnden und zerstrenden Einfluss der Atmosphre, in
Folge dessen sie ber kurz oder lang in Moder verfallen werden, preis-
gegeben sind. Die Mumien des Caveau dc St. Michel liefern uns dem-
nach ein bemerkenswerthes Beispiel von der Mglichkeit, den ewigen
Kreislauf des Stoffes betrchtlich zu verlangsamen, ja auf lngere Zeit
ganz zu hemmen, d. h. fr das Bestehende unschdlich zu machen.
