	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	119


beide Foramina obturata reichte. Die hintere obere Partie dieser
Schlacke nahm eine compacte aber weichere, braungefrbte Sub-
stanz ein.
	Die fraglichen Massen, welche offenbar anstatt der Eingeweide
in den Bauch gebracht worden waren, fllten die Beckenhhle nicht
ganz aus, und lagen ziemlich lose in dem bezeichneten Raume, so
dass ihre Entfernung keine Schwierigkeiten verursachte. Auf dem
Platinblech geglht, verflchtigten sie sich bis auf einen unbedeuten-
den Rckstand.
	Von den Weichtheilen des Kopfes war nach jener frheren, rohen
Untersuchung nichts brig geblieben, als die pergamentartig zusam-
mengetrocknete Kopfschwarte und die beiden sehr wohl erhaltenen,
4 mm langen und 28 mm breiten, zierlich gerundeten Ohren, an
welchen Helix und Antihelix, die Grura farcata, Tragus und Antitragus
mit aller Deutlichkeit zu sehen sind.
	Die Lage des Ohres bietet ebenso wenig als jene des usseren
Gehrganges die geringste Abweichung von der Norm dar. Es ist be-
kannt, dass man eine Zeit lang die hhere Lage des Ohres, welche in
den Darstellungen der bildenden Knste Aegyptens oft bis zur Can-
catur gesteigert ist, als eine Eigenthmljchkeit im ethnographischen
Charakter der alten Aegypter angesehen hat. Nach MORTON'S') aus-
gedehnten Untersuchungen, mit welchen meine Beobachtungen an
unseren beiden Mumien bereinstimmen, ist der kncherne ussere
Gehrgang weder hher noch tiefer angebracht, als bei anderen Bacen.
Die hhere Lage des Ohres, falls sie die natrliche Erklrung des
schon von WINKELMANN an den menschlichen Darstellungen der alten
Aegypter bemerkten Proportionsfehler wirklich abgeben sollte, knnte
sich demnach nur auf die usseren knorpeligen Theile beziehen. Aber
auch diese zeigen durchaus nichts Abweichendes, weder in der Gestalt
noch in der Lage. MORTON bemerkt zwar, dass sich durch das Zu-
sammentrocknen der Weichtheile das Lagenverhltniss des Ohres an
den Mumien etwas gendert haben knnte, allein er scheint, mit Recht,
selbst nicht viel Gewicht auf diesen Einwurf gelegt zu haben. Uebri-
gens fhrt er auch an, dass der besprochene Fehler in der Zeichnung,
an den Kpfen all er Nationen, welche auf den gyptischen Gemlden
vorkommen, hufig zu sehen sei. (Vgl. a. a. 0. Plate XIV).
	Von den H a a ren fand ich nach sorgfltiger Untersuchung ein-
zelne rothbraun gefrbte Reste auf der Kopfhaut; in feinen Durch






	1 Crania aegyptiaca; or observations on egyptian Ethnography, derived from 
Ana-
tomy, History and the Monuments, by S. G. Morton M. D. London, 1844.
