120	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Muwien.

schnitten der aufgeweichten Schwarte kQnnte ich sie in grsserer
Anzahl entdecken. Das Kopfhaar war an diesem Exemplar keinesfalls
rasirt worden. Es wurde vielmehr ohne Zweifel erst von spter ein-
gedrungenen Insecteu zum grssten Theil zerstrt. Schamhaare waren
nicht vorhanden.
	Die Untersuchung der Zh ne war mir wegen des jugendlichen
Alters dieses Individuums von besonderem Interesse. Es ist bekannt,
dass BLUMENBACH wiederholt auf die eigenthmliche Form der stark
abgenutzten Zhne dr Mumien aufmerksam gemacht und die Ver-
muthung ausgesprochen hat, dass dieselbe kaum gengend durch das
blosse Abschleifen beim Kauen harter Nahrung erklrt werden mchte,
sondern ihren Grund wohl in einer ursprnglich verschiedenen Bildung
der Zhne habe. PRICHARD') u. A. fanden diese Conjectur, welche
bei der Wichtigkeit des Gegenstandes alle Bercksichtigung 
verdiente,
durch die Untersuchung von Kindermumien vllig unbegrndet, indem
bei diesen alle Zhne, sowohl die bleibenden als die Milchzhne,
genau denen anderer Kinder des gleichen Alters hnlich waren, und
kamen zu der Ueberzeugung, dass das besondere Aussehen der Zhne
Erwachsener von der Beschaffenheit ihrer Nahrungsmittel abhngen
muss, wenn es nicht etwa durch Abfeilen oder eine analoge Gewohn-
heit hervorgebracht wurde.
	An unserem Schdel waren die Zhne vollzhlig, wohlerhalten
und in sehr geringem Maasse abgenutzt; ich kann daher einen nicht
unwichtigen Beitrag zur Entscheidung der angeregten Frage liefern,
indem das Alter des Knaben vielleicht gerade das passendste zu der
betreffenden Untersuchung sein mchte. Ich fand im Ganzen 28 Zhne,
von denen 14 auf den Oberkiefer und 14 auf den Unterkiefer kommen.
Von den letzten Mahlzhnen (den sogenannten Weisheitszhnen) konnte
ich im Oberkiefer keine Spur entdecken, im Unterkiefer waren sie
wohl schon angelegt, aber noch nicht durchgebrochen. Die Schneide-
zhne hatten meisselartig ugechrfte Kronen, mit vorderer convexer,
und hinterer concaver Flche wie gewhnlich; die Eckzhne conisch
zugespitzte Kronen, und an der hinteren Seite eine flache mittlere
Leiste; die Backenzhne zeigten auf der Kauflche einen usseren und
einen inneren Hcker, die Mahlzhne 4-5 Hcker. Auch die Dimen-
sionen der Kronen und Hlse der Zhne waren die gewhnlichen. Kurz,
ich fand nicht die geringste Abweichung vom normalen Zahnbau,
welche man als eine besondere Eigenthiimlichkeit htte bezeichnen
knnen. 	-
	I J c PRICTIARD: Naturgeschichte des Menschengeschlechts, Leipzig 1810,
Bd. II, S. 265 u. f.
