Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien. 121

	Die Abntzung der sehr dicht an einander stehenden Zhne deutet
trotz ihres geringen Grades bei der Jugend des Individuums auf sehr
harte Nahrungsmittel, vielleicht auch auf die relative Weichheit der
Schmelzsubstanz. Die Zhne des Unterkiefers zeigten sich mehr ab-
genutzt als jene des Oberkiefers, was mit der freien Beweglichkeit
des ersteren im Zusammenhang steht. Die unteren Schneidezhne
waren etwas schrg von hinten und oben nach vorne und unten abge-
schliffen, die oberen Schneidezhne aber dem entsprechend auf ihrer
hinteren concaven Flche ausgewetzt, und an der Schneide schrg
von vorne nach hinten und oben abgestutzt. Die Substantia tubulosa
sah an den Stellen, wo der Schmelzberzug bereits durchgerieben
war, als ein schmaler gelber Querstrich hervor. Die unteren Eckzhne
trugen nach aussen und vorne auf ihrer Spitze eine abschssige Facette,
die oberen nach hinten und innen. Das kaum entblsste Zahnbein
markirte sich als ein gelber Punkt. Die Hcker der Backen- und
Mahlzhne waren, in sehr verschie4enem Grade, quer angeschliffen.
Auf der rechten Seite, namentlich im Unterkiefer, hatten sie mehr ge-
litten als auf der anderen Seite. Dies Verhalten und die Richtung
und Lage smmtlieher Abnutzungsflachen beweisen, dass der Knabe
meist auf der rechten Seite gekaut hit. - Schliesslich erlaube ich
mir noch die Bemerkung, dass, obgleich die oben angefhrten Unter-
suchungen an Kindermumien und meine eben mitgetheilte Beobach-
tung keinen Zweifel ber den normalen, gewhnlichen Charakter des
Zahnbaues di e s er Exemplare lassen, dennoch eine weitere Berck-
sichtigung des Gegenstandes nothwendig ist, weil wir, namentlich seit
MORTON'S umfassenden Arbeiten, mit Bestimmtheit wissen, dass die
Mumien sehr verschiedenen Raceu angehren.
	Die Knochen, welche zum grossen Theil fast vollkommen
skeletisirt waren, trugen das Geprge des jugendlichen Alters unver-
kennbar an sich. Die Mehrzahl der Epiphysen war noch nicht mit den
Diaphysen verwachsen. Auch die paarigen Beckenknochen, welche
in der Gelenkpfanne fr den Kopf des Oberschenkels zusammenstossen,
um daselbst spter innig mit einander zu verwachsen, waren voll-
kommen getrennt. Am Schdel hatte die Vereinigung des Keilbein-
krpers und des Basilartheiles des Hinterhauptbeines noch nicht Statt
gefunden.
	Als Spuren der Trennung des Stirnbeines in zwei seitliche Hlften
und der anfnglichen Selbstndigkeit des Zwischenkiefers, fanden sich
ber der Nasenwurzel eine senkrechtstehende, rudimentre Naht, auf
dem harten Gaumen zwei vom Foramen incisivurn nach aussen ziehende
feine Spalten. Die Stirnhhlen sind mssig entwickelt. Die Schdel-
