﻿Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.
127
You den äusseren Gesclileclitstheilen fand ich die Labia majora als zwei wohlgerundete volle Hautfalten, welche durch einen, in der Dammöffnung steckenden Leinwandpfropf weit auseinander getrieben waren. Von den Nymphen glaube ich die Rudimente erkannt zu haben. Die Klitoris war nicht deutlich. Die Dammöffnung führte unmittelbar in die Beckenhöhle ; die inneren Geschlechtstheile sind jedenfalls ausgeschnitten, und wahrscheinlich ganz entfernt worden.
Die Haare am Kopfe waren gelblichbraun und rothbraun gefärbt. Es scheint dies nicht ihre natürliche Farbe gewesen zu sein. Doch lässt sich darüber eben so wenig, als über die wahre Farbe der Haut mit Sicherheit urtlieilen. Der Einfluss der zur Balsamirung verwendeten Stoffe, auf die Färbung der Theile ist nicht zu bestimmen. Die Haare sind übrigens ziemlich kurz geschnitten und liegen schlicht und ungekräuselt am Schädel an. Bei weiblichen Mumien findet man sonst öfter langes und coiffirtes Haar.
In der Hinterhauptgegend, etwas nach rechts, bemerkte ich eine mehr als Handteller grosse, völlig kahle Stelle, welche wahrscheinlich durch eingedrungene Insecten entblösst worden war. Es ist kaum anzunehmen,. dass man es mit einer Tonsur oder dergleichen zu thun hat. denn in der Mitte der kahlen Stelle standen noch 3 bis 4, mehrere Linien lange Härchen. Auffallend bleibt es mir aber, dass auf PL XLIX der grossen, von der französischen Expedition gelieferten Description de l’Egypte, an dem Hinterhaupte einer männlichen Mumie eine ganz ähnliche kahle Stelle abgebildet ist1 .
Die Cilien an den Augenlidern waren, mit einzelnen Ausnahmen, nicht licht wie das Kopfhaar, sondern dunkel rothbraun bis schwarz. Dies spricht für die obige Annahme des Farbenwechsels der Haare in Folge der Balsamirung.
Die Schamhaare fehlten. Es scheint bei den alten Aegyptern, wie noch heut zu Tage bei den meisten Orientalen, die Entfernung dieser Haare gebräuchlich gewesen zu sein2 .
Die Nägel der Finger und Zehen waren kurz geschnitten und zeigten keine Spur einer Vergoldung. Ihre Farbe ist röthlich braun, ob in Folge einer künstlichen Färbung, welche heute noch Sitte in
Aegyptii; Juvenale jam »»In Meroë crasso majorent infante papillam«« tanquam rem vulgarem et omnibus communem memorante. «
1	In der Erklärung zur PI. 49 , heisst es : Les cheveux sont courts, et manquent à la partie postérieure de la tète, p. 171. — Description de l’Egypte. Tom. X. Explication des Planches.
2	Jomard a. a. 0., S. S3 : » Les deux sexes sont épilés, l'un comme l’autre. «