﻿142 Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.
Besonders wohlerlialten waren die Hippenknorpel und die Knorpelringe der Trachea bei der weiblichen Mumie. Sowohl die ersteren als die letzteren hatten auf dem Durchschnitte ein schwärzliches, matt glänzendes Ansehen. Die homogene Grundsubstanz zeigte eine feine Granulirung und enthielt reichliche Knorpelzellen, an welchen scharfcontourirte tlieils centrale, theils wandständige Kerne und mehr oder weniger bedeutende Verdickungsschichten überaus deutlich wahrgenommen werden konnten. Die Zellen lagen theils einzeln, theils in Keilten oder Häufchen geordnet, welche offenbar Gruppen von Tochterzellen entsprechen (vgl. Fig. 10).
Die Gelenkknorpel habe ich an der kleineren Mumie untersucht. Ich fand eine fein granulirte, in unregelmässige Fasern reissende Grundsubstanz und meist kernlose, einfache oder zusammengesetzte Knorpelhöhlen. Die Anordnung der letzteren konnte auf feinen Durchschnitten leicht übersehen werden.
Gegen die freie Oberfläche lagen sie dicht gedrängt und parallel dem Umriss, in den tieferen Schichten weniger zahlreich und ohne bestimmte Ordnung. An der dem Knochen zugewendeten Seite war ihre Längsaxe mehr oder weniger senkrecht gestellt. Von den zusammengesetzten Zellen des Knorpelüberzuges der Patella habe ich, Fig. 9, eine Abbildung gegeben.
Zwischen den Gelenkknorpeln und den Knochenenden erkannte ich jene eigenthümliche Schichte von ossificirtem Knorpel, welche erst in neuerer Zeit genauer beschrieben worden ist.
Diese Schichte, von welcher sich der wahre Knochen sehr deutlich mit rundlichen Umrissen absetzt, enthält sehr schöne, grosse Knorpelzellen mit stark verdickten Wandungen, und hängt mit dem Gelenkknorpel weniger innig, als mit dem Knochen zusammen, so dass sie immer am Knochen haften blieb, wenn ich den Gelenkknorpel absprengte. Die Knorpelzellcn erschienen, ohne weitere Behandlung des Präparates, als längliche, undurchsichtige Körper; nach Zusatz von etwas Salzsäure aber hellten sie sich auf, und zeigten deutliche Zellkerne und starke Verdickungsschichten. In ähnlicher Weise verhielten sich die Beste von Knorpelmasse, welche ich zwischen den noch unverwachsenen Diaphysen und Epiphysen gefunden habe. Die Knorpelzellen waren auch hier theils. einfach, theils Mutterzellen mit Tochterzellen, und hatten deutliche Kerne, aber keine auffallend verdickten Wandungen.