﻿152 Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien-.
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Während meines Aufenthaltes in Bordeaux im August des Jahres 1853 kam ich mit meinem Reisegefährten, Herrn A. Joukdiek, bei Besichtigung der grossen gothischen Kirche in St. Michel in das sogenannte » Caveau de St. Michel« — ein unterirdisches Gewölbe des iso-lirt stehenden Glockenthurmes, welches mit einer beträchtlichen Anzahl von wohlerhaltenen, mumificirten Leichnamen angefiillt ist. Im Jahre 1793 hatte man in Folge der Verordnung : die Begräbnissplätze in die Umgebungen der Städte zu verlegen, auch den Kirchhof von St. Michel umgegraben und cassirt. Dabei fand sicli’s, zu nicht geringem Erstaunen der Bevölkerung, dass ein grosser Theil der ausgegrabenen Leichname unzerstört und wohlerhalten war. Diese zufällig mumificirten Leichname wurden dann als eine grosse Merkwürdigkeit in das runde Gewölbe des Glockenthurms gebracht und daselbst längs der Wand in einem grossen Kreise aufgestellt zur Besichtigung für Fremde und Einheimische, von denen sich namentlich der weibliche Theil herzudrängt, um, wie in dem » Chamber of horrors « des bekannten Wachs-figurcncabinets der Mad. Tissot in London, in Furcht, Grausen und Thränen zu schwelgen.
Da ich schon früher Untersuchungen über den Grad der Conser-viruug künstlicher und zwar ägyptischer) Mumien angestellt hatte, deren Resultate im IX. Bande, S. 427 der Sitzungsberichte der K. Akademie der Wiss. in Wien vom Jahre 1852 oben S. 112 veröffentlicht wurden, so musste es für mich von Interesse sein, die Mumien des Caveau’s, welche nicht in Folge einer absichtlichen, künstlichen Einbalsamirung, sondern durch das zufällige Zusammentreffen schwer zu ermittelnder natürlicher Umstände entstanden waren, ebenfalls genauer zu untersuchen, um zu sehen, ob und in wie weit sich dieselben, abgesehen von den äusseren Formen, conservirt haben oder nicht.
Schon hatte ich ein passendes Stück einer Mumie, welches abgebrochen auf dem Boden lag, ausersehen und wollte es eben einstecken, als der uns begleitende Kirchendiener mein beabsichtigtes Sacrilegium bemerkte und entschiedenen Protest dagegen einlegte. Mir blieb nichts Anderes übrig, als meine Beute wieder abzuliefern und bei einem der Kirchenvorsteher eine Autorisation zu meinem Raube zu erbitten. Der Advocat Herr Dupont, einer der Vorsteher, hat mir die nachgesuchte