	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	123

ihm 1) frher beschriebenen Mumienschdel stimmen in ihren Formen
nicht vollkommen mit dem in Rede stehenden berein, indem dieselben
weit mehr an den Negertypus erinnern und mit Wahrscheinlichkeit
Kopten oder den uralten Einwohnern Aegyptens angehrt haben.
	Die Race, zu welcher unser Schdel zu zhlen ist, nher zu be-
stimmen, hat grosse Schwierigkeiten. Nach einer genauen Verglei-
chung desselben mit den zahlreichen Abbildungen, welche Monrox
(dessen wichtiges Werk ber die Crania aegyptiaca mir durch die Gte
des Herrn Prof. RETZIUS zugekommen war) von den, an den verschie-
densten Orten gefundenen Mumienschdeln gibt, glaube ich jedoch,
dass unser Schdel noch die meiste Uebereinstimmung mit jenen
Formen hat, welche MORTON zu seinem Pelasgic Type rechnet.
	Mowrox fand nmlich, dass die Mumienschdel theils zur Neger-
race, theils zur kaukasischen gehren und innerhalb dieser Grenzen
mehrere Typen zeigen. Von der ersteren findet sich der echte Negro-
Typus und ein weniger reiner, der Negroid(( genannt wird; von der
letzteren der ))Pelasgic-Type((, Semitic-Type und Egyptian-Type.
	Schliesslich muss ich noch erwhnen, dass an unserem Schdel
nicht nur das Siebbein, sondern auch ansehnliche Stcke der benach-
barten Knochen (Keilbein, Stirnbein [pars horizontalis], Oberkiefer,
Thrnenbein etc) durch die Ex c crc b ratio n vllig zerstrt worden
sind. Der Vomer ist jedoch trotzdem fast ganz geblieben. Die ilgyp-.
tischen Balsamirer haben nmlich, wie man seit langer Zeit weiss, das
Gehirn meist entfernt und durch Harzmassen ersetzt. Dabei verfuhren
sie auf verschiedene Art; entweder sie nahmen das Gehirn, wie in
unserem Falle, durch die Nase heraus, oder sie bahnten sich durch
die Weichtheile des Nackens einen Weg zum Foramen magnum des
Hinterhauptbeines und entfernten das Gehirn durch diese Oeffnung.
An vielen Mumien scheint das Gehirn jedoch nicht berhrt worden
zu sein.
	Diese Verschiedenheiten scheinen theils durch die angewandte
Sorgfalt und die Fortschritte in der Kunst des Balsamirens, -theils durch
Localgebruche bedingt gewesen zu sein. Die Mumien von Theben
haben das Siebbein meist zerstrt, jene voi Memphis seltener. MORTON
fand unter 26 der letzteren nur 5 mit durchlcherter Nase. (A. a. 0.,
S. 26).
	Die weibliche Mumie, welche im Allgemeinen besser erhal-
ten war, als die so eben beschriebene, bot manches bemerkenswerthe

	Prof. A. RETZIUS :- Ueber die Form des Knochengerstes des Kopfes bei
den verschiedenen Volkern. Mll, Archiv 1848, S. 276.
