128 	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.

Aegypten sein soll '), oder durch die Balsamirung, kann ich nicht ent-
scheiden.
	Schon der verschiedene Zustand, in welchem sich die Weichtheile
befinden, lsst vermnthen, dass der Leichnam des Knaben nach einer
andern Met ho dc balsamirt worden war, als jener des Weibs. Diese
Vermuthung wird zur Gewissheit, wenn man erfhrt, das unmittelbar
auf dem Krper der weiblichen Mumie, der ganzen Ausdehnung nach
(namentlich auf dem Kopfe, den Ohren, der Nase, auf und unter den
Augenlidern, am Halse, in der Olaviculargegend, in der Achselhhle,
auf dem Bauche, unter den Brsten, in der Leistengegend, zwischen
den Schenkeln und an Hnden und Fssen), mehr oder weniger dicke
Lagen von schwarzem Mumienharz aufgestrichen waren, welche meist
ziemlich leicht abgesprengt werden konnten; whrend bei dem Kna-
ben kaum eine Spur davon zu finden war, obschon die seinem Krper
aufliegenden Leinwandstucke mit einem hnlichen, harzigen Stoffe
imprgnirt zu sein schienen, und beim Verkohlen einen weihrauch-
hnlichen Geruch von sich gaben.
	Die weibliche Mumie hatte ferner in den Bauchdeekcn ber dem
linken Darmbein eine 72 mm lange und 45 mm breite ovale Oeffnung,
welche in die Bauchhhle fhrte und nicht zusammengenht 2) sondern
durch einen Leinwandpfropf, in hnlicher Weise wie die Dammffnung,
verstopft war.
	An der Mumie des Knaben hingegen konnte ich wohl die letztere,
nicht aber die Oeffnung in den Bauchdecken nachweisen. Freilich liess
die erwhnte Morschheit der Bauchdecken keine vollkommen gen-
gende Untersuchung zu, und die Anwesenheit jener seitlichen Oeffnung
htte mir aus diesem Grunde entgehen knnen; allein nach sorgfl-
tiger Bercksichtigung aller Verhltnisse bin ich nichts destoweniger
der Ueberzeugung, dass die Seitenffnung wirklich gefehlt hat.
	Auch der Inhalt der Krperhhlen beweist die Verschiedenheit des
Verfahrens beim Einbalsamiren der beiden Mumien. Bei dem Knaben
fand sich, wie oben mitgetheilt wurde, nichts im Krper, als jene
schlackenartige porse. Masse, welche einen Theil der Beckenhhle
ausfllt. Anders bei der weiblichen Mumie. Ich schnitt, da dieses
Exemplar mglichst geschont werden musste, mit einer Rundsge aus
der Brust und der Bauchwand ein grosses viereckiges Stck heraus,
welches, der Bequemlichkeit wegen, nach der Quere halbirt wurde

I bUYER a. a. 0., S. 483 und STEBER a. a. 0., S. 16.
	2 Vergl. Rouvzn (a. a. 0., S. 479) ...  Cette ouverture ne m'a point peru 
re -
	consue, comme te dit Hdrodote, tes bords avuient seulement Std Mpprochds et 
se meinte-
	naient ainsi par la dessication.	-
