132	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.


ausgegossenen Mumien passt nicht ganz auf sie '), noch weniger die
anderen.
	Es scheint, dass das Einbalsamiren der Leichname, obschon durch
religise, mit dem Glauben an die Seelenwanderung zusammen-
hngende Vorschriften geboten, dennoch in Bezug auf die dabei ver-
wendeten Mittel und Methoden, der Kunst und der industriellen Con-
currenz, innerhalb gewisser Grenzen, freigegeben war, und nicht nach
starren durch den Ritus festgesetzten, unwandelbaren Normen vor-
genommen werden musste. Jedenfalls erklren sich die Verschieden-
heiten in der Behandlungsweise der Mumien leicht durch die fr die
verschiedenen Kasten geltenden Gesetze, ferner durch die Verschie-
denheit der Localgebruche, welche auch in anderer Beziehung
maassgebend erscheinen, und endlich durch die Vermgensumstnde
und das Belieben der betreffenden Familien ud durch die Fortschritte,
der mit der Einbalsamirungskunst zusammenhngenden Wissen-
schaften.
	Die Sitte, die Verstorbenen durch das Balsamiren gegen die vllige
Zerstrung auf die Dauer zu schtzen, herrschte von dem grauesten
Alterthume bis in die erste Zeit der christlichen Chronologie und wurde
ungefhr zwei und zwanzig Jahrhunderte lang fast ununterbrochen
gebt. Die Verschiedenheiten der Mumien, sowohl hinsichtlich der
Zubereitungsart, als der ethnographischen Charaktere, verlieren ab-
gesehen auch von den oben angefhrten Momenten, einem solchen
Zeitraum gegenber, alles Befremdende.


II.
	Die gyptischen Mumien sind seit langer Zeit ein Gegenstand all-
gemeiner Bewunderung. Man betrachtet mit Staunen und Interesse
die wohl erhaltenen Formen menschlicher Krper, welche seit den
frhen Tagen der an den Nilufern aufgeblhten Cultur und Civilisa-
tion dem Zahne der Zeit getrotzt haben. Die Vergnglichkeit organi



	1 ROUTER a. a. 0., S. 480: Les nwmies reniplies dc bitume pur ot une 
couleur
noirtre; la peau est dure, luisante comme si eile avait 616 couverte d'uu 
vernis; les
traits du visage ne sont point aiterds; le ventre, la poitrine ei la t6te 
sont remplis d'unc
substance isineuse, noire, dure, ayant peu d'odeur: celle matire que j'ai 
relirde dc
l'intrieur dc plusicurs monzies, m'a prdsenl les m6mes caraclres 
physiques ei a donnd
a i'analyse chimique les mmes resultats quc ic bitume dc Judde qui se 
trouve dans le
commerce. Ces sortes des momies qu'on rencontre assez communement dans laus 
les
caveama, sont sches, pesantes, sans odeur, dif/Iciles a dvelopper et a 
rompre. Presque
toutes ant le visage, les parties naturelles, les mains ei les pieds dares: 
cites paraissent
avoir 616 preparecs avec beaucoup dc soin; cites soni lrs peu susceptibles 
de s'ailrer ei
n'attirent point 'humiditd dc lair.
