	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	115



I.
Die grssere der beiden Mumien war noch vollstndig in ihren
Binden eingewickelt. Es mochten hchstens die oberflchlichsten
fehlen, welche vielleicht auch in diesem Falle beschrieben und ver-
ziert waren (Zierbinden). 	-
	Die kleinere Mumie hingegen musste schon frher einmal einer
ziemlich rohen Untersuchung unterlegen sein und war zum Theil ab-
gewickelt und zerbrochen. Sie erschien weniger gut conservirt, woran
wohl die Zerstrung des Zusammenhanges und der Einfluss des wech-
selnden Klimas die meiste Schuld haben mag. Der Kopf war bei jener
frheren Untersuchung vom Rumpfe getrennt, das Gesicht bis auf die
Knochen entblsst und der Thorax von hinten geffnet worden. Smmt-
Ilieh Hals-, fast alle Brustwirbel nebst den Rippen, dem Brustbeine,
den Schulterblttern und Schlsselbeinen fehlten, so dass in der Brust-
gegend nichts brig blieb, als vorne die ber einen Zoll dicke Lage
der einhllenden Binden, welche seitlich die beiden Arme in ihrer ur-
sprnglichen Stellung mit einschloss. In der Bauehgegend war ein
tiefes Loch in die Hllen gegraben; wahrscheinlich hatte man damals
nach einer Papyrus-Rolle oder sonst einer Beigabe gesucht.
	Die Art der Einwickelung konnte ich namentlich an der grsseren
Mumie genau studiren. Es folgte, Lage auf Lage, bald eine Menge
schmaler Binden, regelmssig und symmetrisch gewickelt, bald ein
grsserer Lappen, der sieh ber ganze Krpertheile ausdehnte und hie
und da Ballen von Fetzen berdeckte, mit welchen die briggeblie-
henen Vertiefungen ausgestopft waren. Ueber die verschiedenen Arten
der Wicklung sind schon von mehreren Autoren, welchen ein grsseres
Material zu Gebote stand, sehr detaillirte Angaben gemacht worden,
und ich verweise um so mehr auf dieselben, als ich ber diesen Punkt
nichts Neues beizubringen wsste.
	Die Menge des zur Einwickelung einer Mumie verwendeten Ma-
terials ist sehr bedeutend und es muss die fr die Hunderttausende
von Mumien aufgebrauchte Gesammtmenge eine abenteuerliche Summe
geben. Nach der Masse, die ich selbst von der grsseren Mumie ab-
gewickelt habe, kann ich die Angabe des bekannten Reisenden
F. W. SIEBER 1), nach welcher 500 bis 4000 Ellen Stoff verbraucht
wurden, nicht fr bertrieben halten.
Das Gewebe der Lappen und Binden, in welche unsere beiden



	1 W. SiEBEn: Beschreibendes Verzeichniss der in den Jahren 1817 nnd
1818 auf einer Reise durch Creta, Aegypten und Palstina gesammelten Alter-
thmer etc., nebst einer Abhandlung ber gyptische Mumien. Wien 1820.
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