	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	133

seher Bildungen ist so sehr Gegenstand der tglichen Lebenserfahrung,
dass auch der Ungebildete von der Thatsache ergriffen wird, dass dem
ewigen Kreislauf des Stoffes in diesem Falle Halt geboten worden ist.
	Das Bewusstsein, dieselben Gestalten vor sich zu haben, welche
vor mehr als ein, zwei Jahrtausenden die lebendigen Trger jener
geheimnissvollen, in ihren Trmmern noch grossartigen, gyptischen
Welt gewesen, reizt wohl, selbst eine wenig bewegliche Phantasie den
Schleier der Vergangenheit zu lften, sich zurck zu versetzen in das
lebendige Treiben des volkreichen Theben, des alten Memphis, und
all die kleinen Freuden und Leiden des Daseins, all die bedeutenden
Fragen und Anschauungen, welche einst diese Herzen und Kpfe
bewegt und beherrscht haben, auferstehen zu lassen!
	Der wissenschaftlichen, nchternen Betrachtung bieten die Mumien
nicht minder Stoff zu ernsten, ergiebigen Studien, als sie den sinnigen
Beschauer gemtithlich erregen.
	Was dem Geologen die pflanzlichen und thierischen Versteinerungen
sind, welche die vorweltlichen Perioden charakterisiren und die Ge-
schichte des Erdkrpers in grossen, lebendigen Zgen skizziren helfen,
das sind dem Anthropologen solche Antiquitten, wie die Mumien, fr
seine Sphre. Die Mumien sind auch Fossilien, welche der rastlose
Forschungstrieb aus den dunkeln Hypogeen hervorgrbt und zwischen
den Blttern d-er Geschichte abgelagert findet, wie die Petrefacten in
den Schichten der Erde.
	Das alte Aegypten, wie es sich nach seinen natrlichen Bedingungen
mit Nothwendigkeit entwickelt hat, ist eine untergegangene Formation,
welche mit Baudenkmlern, Sculpturen, Bilderwerken, und so mancher
fortwirkenden Anschauung in die Gegenwart hereinragt.
	Neben dem archologischen Interesse haben die Mumien auch ein
physiologisches. Es ist zu ermitteln, in wie weit es durch das Einbal-
samiren gelungen ist, den menschlichen Krper zu erhalten und die
unvermeidliche Zersetzung und Zerstrung der organischen Elemente
zu verhindern.
	Bisher hat man sich damit begngt, die oft sehr vollkommene Er-
haltung der allgemeinen Formen des Krpers, der Gesichtszge und
die Anwesenheit der Kopfhaare, der Augenbrauen, der Cilien, der
Ngel etc. zu bewundern. Es ist meines Wissens noch kein erheblicher
Versuch gemacht worden, die Beschaffenheit der Mumien mit Hilfe des
Mikroskop es zu untersuchen. Ich erinnere mich nur dunkel, dass mir
QIJECKETT in London beilufig eine Abbildung von Mumienhaaren in
einem Journal fur Mikroskopie gezeigt hat. Es ist mir aber nicht mg-
lich, diese Quelle nher zu bezeichnen.
