134	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.

	Die mikroskopische Untersuchung der Mumien, welche ich in
ziemlich ausgedehntem Umfange unternahm, hat mir bewiesen, dass
die Erhaltung der organischen Formen noch viel weiter geht, als man
bisher wohl allgemein geglaubt hat. Ich zweifle gar nicht, dass man
im Stande wre, eine ziemlich vollstndige Histologie der Mumien zu
schreiben, wenn das gengende Material zu Gebote stnde.
	Dass sich nicht alle Mumien zu diesen Untersuchungen gleich gut
eignen werden, versteht sich nach dem ber die verschiedenen Metho-
den der Einbalsamirung Bekannten wohl von selbst. Auch die Behand-
lung der zu untersuchenden Theile, so wie die Bereitung der mikrosko-
pischen Prparate selbst, muss passend gewhlt und mit der gehrigen
Umsicht ausgefhrt werden. Ich weiss aus eigener Erfahrung, dass
man nicht gleich von der begonnenen Untersuchung abstehen darf,
wenn sie keinen augenblicklichen Erfolg hat, denn hufig ist nur die
unzweckmssige Behandlung des Objecte und nicht die schlechte
Conservirung daran Schuld. Man darf sieh nicht gleich mit dein Ge-
danken an die Mglichkeit der Zerstrung eines Gewebes beruhigen.
Dies bemerke ich fr Jene, welche die Gelegenheit haben sollten,
hnliche Untersuchungen, wie die folgenden anzustellen.
	Eine wesentliche Vorsichtsmaassregel, um sieh vor Tuschungen
zu bewahren, denen man leicht zum Opfer fallen knnte, will ich noch
beilufig erwhnen. Es ist dies die genaue Messung der betreffenden
Gewebsbestandthejle und die Vergleichung der gefundenen Grssen-
verhltnisse mit den normalen Dimensionen dieser Formelemente.
	Am Schlusse der Abhandlung findet sieh zur grsseren Bequem-
lichkeit eine tabellarische Zusammenstellung und Vergleichung meiner
smmtlichen Messungen mit jenen, welche KLLIKER in seinem Lehr-
buche der mikroskopischen Anatomie des Menschen geliefert hat.
	Ich habe von beiden Mumien Theile der mikroskopischen Betrach-
tung unterworfen und werde es weiter unten, bei der Beschreibung der
Gewebe, stets angeben, woher ich dieselben genommen habe.
	Die Mumie des Knaben durfte ich nach Bedtirfniss zerstckeln
und verarbeiten, da an derselben Nichts zu halten war. Mit der weib-
lichen Mumie, welche als interessante Reliquie der Sammlung des
physiologischen Institutes einverleibt wurde, musste ich jedoch scho-
nender verfahren und entnahm derselben nur kleinere Stcke, wie sie
gerade zur mikroskopischen Untersuchung ausreichten.

1. Von der Haut.
	Ich habe von beiden Mumien Hautstucke aus verschiedenen Re-
gionen des Krpers untersucht. Ich liess dieselben theils in Wasser
