146 	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.

in die B0WMAN'schen disks zu zerfallen. Ich habe berhaupt beob-
achtet, dass an diesen Muskeln die Theilbarkeit nach der Quere, in
Scheiben, gegen die Spaltbarkeit nach der Verlaufsrichtung der Pri-
mitivfibrillen bei weitem berwiegt. Die abgebildeten Muskelbndel
hatten eine Dicke von 0,003", 0,006" bis 0,008".
	Die sichere Ermittlung des Zustandes, in welchem sich das
Muskelgewebe der Mumie befindet, ist um so wichtiger, als es unter
jene Gewebe gehrt, welche am leichtesten und schnellsten der Zer-
setzung und Zerstrung schon durch sehr geringe Grade der Fulniss
unterliegen.
	Nachdem ich die Erhaltung des mikroskopischen Details der
Muskeln mit voller Bestimmtheit erkannt habe, verliert die Conservi-
rung der meisten anderen Gewebe alles Ueberraschende.


8. Von den Gefssen.
	Die Art. Aorta, welche ich bei der weiblichen Mumie fast von
ihrem Ursprunge am Herzen bis in die Bauchhohle herunter verfolgen
konnte, hatte eine rauhe ussere und eine glatte, schwrzlich gefrbte
innere Oberflche. Ihre peripherische Umhllung bestand aus ver-
filztem Bindegewebe. Die eigentlichen Gefsswandungen, welche zu
einer ziemlich harten, brchigen Lamelle zusammengetrocknet waren,
verhielten sich auf feinen, in Wasser erweichten, mit Essigsure oder
Natronlsung behandelten Durchschnitten, ganz so wie frisch getrock-
nete Theile dieser Arterie. Von derselben Beschaffenheit fand ich
auch die grossen vom Aortenbogen abgehenden Arterien.
	In der vorderen Wand des absteigenden Theiles des Aortabogens
waren mehrere nicht unbetrchtliche, kalkige Ablagerungen zu bemer-
ken. Diese pathologischen Producte sprechen, nebst der brigen Be-
schaffenheit des Krpers, fr 1ein vorgerckteres Alter des weiblichen
Individuums.
	Kleinere Venen, Arterien und Capillargefsse glaube ich an ver-
schiedenen Stellen wahrgenommen zu haben; doch wage ich nicht,
dies mit Bestimmtheit auszusprechen.
	An der kleineren Mumie haben mir die Gefsse des Penis eine
sehr gnstige Gelegenheit zur Untersuchung geboten Ich unterschied
auf feinen Querschnitten de Penis mit voller Deutlichkeit die Vena
dorsalis penis mit den beiden sie begleitenden Arterien und das zusam-
mengesetzte, schwammige Gewebe der Schwellkrper der Ruthe und
der Harnrhre. Die Gefsse hatten eine peripherische Bindegewebs-
schichte und eine cntrale, den Ringfasern entsprechende, circular
