	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.	153

Erlaubniss sehr bereitwillig gegeben, und ich halte es fr eine ange-
nehme Pflicht, demselben hiermit ffentlich meinen Dank zu sagen.
	So kam ich in den Besitz der Hand und des halben Vorderarms
einer Mumie aus dem Caveau de St. Michel, welche ich als Material
zur vorliegenden Untersuchung verwendet habe.
	Mau kennt zwar mehrere Orte in Deutschland und in der Schweiz,
wo sich solche mumifleirte Leichname finden - allein meines Wissens
hat bisher noch Niemand eine genauere Untersuchung des Zustandes,
in welchem sich die einzelnen Gewebe derselben befinden, unternom-
men, so dass die nachfolgende kurze Mittheilung, welche gewisser-
maassen als Anhang zu meinen oben citirten Beobachtungen zu be-
trachten ist, nicht unwillkommen sein drfte.
	Die ussere Haut erscheint als eine dunkelbraune, lederartige
Masse, welche zum grossen Theile durch bedeutende lufthaltige Rume
von den unter derselben befindlichen Weichtheilen und Knochen
getrennt ist. An der Hohlhand in der Nhe des Daumenballens befindet
sich eine ziemlich grosse unregelmssige Oeffnung, welche zu den
lufthaltigen Rumen im Innern der Hand fhrt und bis auf die ent-
blssten Knochen des Metacarpus hineinzusehen gestattet.
	Bei der mikroskopischen Untersuchung der Haut zeigte sich das
Derma und das subcutane Bindegewebe vollkommen wohl-
erhalten; von dem Papillarkrper und der Epidermis habe ich jedoch
nur sehr undeutliche Spuren auffinden kiinnen. Die Ngel waren lei-
der abgefallen. In den Maschen des subeutanen Bindegewebes, welche
meist nur mit Luft gefllt waren, kamen einzelne wohlerhaltene Huf-
chen von wasserhellen, polygonal abgeplatteten Fett z ellen vor.
	Die Sehnen und Bnder, die Fascien und Aponeurosen
u. s. w. sind so vollkommen conservirt, dass die von denselben gefer-
tigten Prparate kaum von frischen Prparaten unter dem Mikroskope
zu unterscheiden sein drften. Werden diese Theile in Wasser auf-
geweicht, so quellen sie wohl auf, nehmen aber nicht mehr das weiss-
hei silberglnzende Ansehen des frischen fibrtisen Gewebes an, son-
dern sie bleiben durchscheinend. Dieses eigenthtimliche Verhalten
des fibrsen Gewebes habe ich auch schon bei den gyptischen Mumien
bemerkt und a. a. 0. (S. 32 des Separatabdruckes, vgl. oben S. 141;
erwhnt; es deutet, wie mir scheint, darauf hin, dass das fragliche
Gewebe eine besondere physikalische Vernderung erleidet, wenn es
sehr lange in trockenem Zustande aufbewahrt wird. Ferner glaube ich
auch bemerkt zu haben, dass die Essigsure weniger rasch auf das
fibrse Gewebe der Mumien, als auf frisches einwirke - obschon die
gewohnte Wirkung keineswegs ausbleibt.
