118 	Beschreibung und mikroskopische Untersuchungen von Mumien.


enthalten sollen; seltener trifft man sie in den Achselgruben oder an
den Fssen an - falls sie berhaupt vorhanden sind.
	Die Haut und die von ihr bedeckten Weichtheile waren zu
mehr oder welliger dicken pergamentartigen Schienen zusammen-
getrocknet, welche aussen schmutzig dunkelbraun, auf der Innenflche
hellbraun, ja selbst weisslich gefrbt erschienen, und vielfach ge-
borsten, den Knochen fast berall nur lose auflagen. Die usseren
Geschlechtstheile waren auffallend gut conservirt. Namentlich der
Penis, welcher seine eigene, einfache Hlle und um diese, der Eichel
entsprechend, einen abziehbaren Ring von Leinwandstreifen hatte,
zeigte sich vollkommen erhalten. Seine Lnge betrug ber 4 cm, seine
Dicke etwa 1 cm, die Lichtung der Harnrhre I mm. Die Glans war
nicht abgesetzt, doch konnte ich auch von einem Prputium nichts
bemerken, welches den freien Rand derselben htte liberdeeken
knnen. uebrigens hat man in Aegypten, wie es scheint ganz allge-
mein, an den 14jhrigen Knaben die Beschneidung vorgenommen'),
und der Mangel der Vorhaut wrde nur darauf hindeuten, dass dieser
Knabe ber 14 Jahre alt war. An Querschnitten des Penis, welche in
Wasser aufgeweicht waren, konnte ich die Corpora cavernosa penis und
den Schwellkrper der Harnrhre mit unbewaffnetem Auge deutlich
unterscheiden.
	Von einer Vergoldung oder Frbung der Genitalien war durchaus
nichts wahrzunehmen. Der Mangel dieser sonderbar angebrachten Ver-
zierung zeugt entweder fr die wenig ausgezeichnete sociale Stellung
des betreffenden Individuums, oder es erklrt sich derselbe durch das
jugendliche Alter des Mumificirten. Mglicher Weise knnte dies
Exemplar aber auch aus einer Zeit stammen, wo da Vergolden und
Frben der Cadaver noch nicht oder nicht mehr Mode war.
	Die vordere Bauchwand hatte, offenbar durch die erwhnte Zer-
strung der deckenden Binden, sehr gelitten und brach trotz der vor-
sichtigen Behandlung ein. Ich kann desshalb nicht mit Bestimmtheit
angeben, ob in derselben eine Oeffnung, behufs der Entfernung der
Eingeweide, bestanden hat oder nicht.
	In der Beckenhhle fand ich eine schwarze, porse, schlacken-
artige Masse, welche auf dem durch eine grosse Oeffnung in der Damm-
gegend hereingestopften Leinwandpfropf aufsass und nach vorne in



	1 J0MARD citirt als Gewhrsmann fr diese Sitte der alten Aegypter den
heiligen Ambrosius (a. a. 0., S 83), welcher, bezglich der Mdchen, 
hnliches
berichtet ... et fe.flhinae apud cos eodern anno (Sc. decimo quarto) 
circurncidi feran-
tur; quad ab ca videlicet anno incipiat flagrare passio virilis et 
ferninarum menstrua
.suinant exordia.
