﻿Ueb. d. Bau u. das optische Verhalten der Haut v. Ascaris lumbrico'ides. 161
mit der Richtung der Spiralfasern zusammen, sondern kreuzt sich mit der letzteren.
Legt man zwei Hautstücke derart über einander, dass sich die Querringel der Epidermis unter einem rechten Winkel kreuzen, so erhält man dieselbe prachtvolle Erscheinung, welche Frauenhofer durch seine gekreuzten feinen Gitter beobachtet hat.
Der erwähnten gelblichen Strahlenbüschel erscheinen unter diesen Umständen 8, welche abwechselnd einen Winkel von 90° mit einander machen.
2. Die Haut von Ascaris ist doppelt brechend und besitzt zwei Schwingungsrichtungen, welche sich rechtwinkelig durchkreuzen und mit der Längs- und der Querachse des Tliieres parallel sind. Sie verhält sich gegen polarisirtes Licht wesentlich ebenso wie ein Gyps-hlättchen von gewisser Dicke.
Bringt man ein ausgebreitetes Hautstück unter das Polarisationsmikroskop oder einen [anderen ähnlichen Apparat, und gibt ihm eine solche Stellung, dass die Polarisationsebene der zur Beleuchtung verwendeten Lichtstrahlen mit den Querringeln der Epidermis zusammenfällt oder auf denselben senkrecht steht, so lässt es das polarisirte Licht unverändert durch. Bei jeder anderen Stellung des Hautstückes erfährt das polarisirte Licht eine Ablenkung und Zerlegung, welche dann am stärksten ist, wenn die Querringel der Epidermis mit der Polarisationsebene der Lichtstrahlen einen Winkel von 45° machen.
Sind die Nicoffschen Prismen des] Polarisationsmikroskop es z. B. gekreuzt, so erscheint dann das Hautstück im dunklen Gesichtsfelde lavendelgrau erhellt ; werden die Prismen parallel gestellt, so schlägt das Lavendelgrau in das complementäre Nussbraun um.
Diese Färbungen werden noch greller und auffallender, wenn man 2 oder 3 Hautstückchen gleichsinnig über einander legt.
Man hat somit dieselben Erscheinungen, welche Brücke an sein-dünnen Gypsblättclien beschrieben hat vgl. Brücke : Ueber das Wesen der braunen Farbe, Pogg. Ann. Band LXXIV, 1848. S. 461) und muss sie auch auf die gleiche Weise erklären.
Merkwürdig ist der Umstand, dass die Haut von Ascaris nicht in ihrer ganzen Ausdehnung doppeltbrechende Eigenschaften besitzt. Die den beiden Seitenlinien entsprechenden Hautpartieen zeigen keine Spur davon, und lassen das polarisirte Licht in jeder Richtung unverändert durch. Sie erscheinen im dunklen Gesichtsfelde bei jedweder Stellung des Hautstückes dunkel, im hellen Gesichtsfelde hell, so dass, wenn die Hautstiicke im übrigen gefärbt erscheinen, diese Stellen als
Czermak, Schriften.	11